Europa-Universität Viadrina
Fakultät für Kulturwissenschaften
Hauptseminar "Tabudiskurse"
Seminarleiter: Prof. Dr. Hartmut Schröder
Wintersemester 1998/99
 

Die Vergangenheit als Tabu –

Eine sprachliche Analyse des Vergangenheitsdiskurses in den Printmedien Irlands


Seminararbeit eingereicht am 18. März 1999 von

Dominic Busch


Inhalt

Abstract
1 Einleitung
2 Die Situation in Nordirland: das Ende eines langen Konflikts?
2.1 Geschichtlicher Hintergrund und Entwicklung des Nordirlandkonflikts
2.2 Die gegenwärtige politische Situation in Nordirland
3 Die Problematik der kollektiven Vergangenheitsbewältigung
3.1 Verschiedene Formen der Vergangenheitsbewältigung
3.1.1 Die Funktion der Truth Commissions am Beispiel Südafrikas
3.1.2 Die Verdrängung der Vergangenheit
3.2 Kann ein Bruch des Verdrängungstabus sinnvoll sein?
3.3 Die Diskussion um die angemessene Form der Vergangenheitsbewältigung
4 Tabus in der Gesellschaft
4.1 Klassifikation verschiedener Tabuarten
4.2 Das Viktoriansche Zeitalter als Ursprung vieler Euphemismen
4.3 Tabus und ihre Spuren in der Sprache
5 Besonderheiten und Methodik bei der Analyse von Zeitungstexten
5.1 Die Methodologie der Critical Discourse Analysis zur Erforschung gesellschaftlicher Ideologien
5.2 Techniken der Critical Discourse Analysis
5.3 News values und die gesellschaftliche Ideologie
5.4 Auswahl der analysierten Massenmedien
5.5 Gesellschaftliche Relevanz der untersuchten Tageszeitungen
5.6 Inhalte der analysierten Beiträge
6 Sprachliche Analyse des Textkörpers
6.1 Sprachlicher Bezug auf Gewaltanwendungen in der Vergangenheit
6.1.1 Metaphern
6.1.2 Euphemismen und Fachvokabular
6.2 Sprachlicher Bezug auf den gegenwärtigen Friedensprozeß
6.2.1 Metaphern
6.2.2 Euphemismen und Fachvokabular
6.2.3 Agensbetonung und Agensaussparung
6.2.4 Wortvermeidung und Vagheit
6.2.5 Zusätzliche Angaben zur Einschränkung von Aussagen
6.3 Sprachlicher Bezug auf die gegenwärtige Diskussion um Entwaffnung
6.3.1 Metaphern
6.3.2 Euphemismen und Fachvokabular
6.3.3 Agensbetonung und Agensaussparung
6.3.4 Verwendung von Proformen
6.4 Sprachlicher Bezug auf fortdauernde Terrorakte
6.4.1 Euphemismen und Fachvokabular
6.4.2 Agensbetonung und Agensaussparung
6.4.3 Wortvermeidung und Vagheit
7 Schlußfolgerung
8 Quellenangaben
9 Quellen des analysierten Textkorpus
 

Abstract

Since the political development in Northern Ireland over the last few years has created a legitimate hope for the violent conflict between Irish Catholics and British Protestants to cease within the immediate future, Irish society will have to find a common way to deal with their negative past. This essay is supposed to evaluate the hypothesis assuming that societies tend to taboo their negative past unless the remembrance is not maintained on an official basis. To find out about the existence of taboos in Irish society a linguistic analysis of social discourse may provide revealing insights. Before this, the essay will give an overview on the development and the consistence of the present conflict in Northern Ireland. Afterwards there will be a discussion of different ways to deal with the past considering the uses of covering versus uncovering it. Chapter 4 will then discuss the phenomenon of different kinds of taboos and how they are manifested in language usage. Before a media analysis may be carried out efficiently the methods of Critical Discourse Analysis have to be considered. Additionally it is necessary to become aware of the interdependence of discourse in the media and inside society itself. Keeping in mind all these circumstances there will be a linguistic analysis of 50 articles taken from daily Irish and British newspapers within the period of two weeks in January 1999. Knowing about the ways journalists are approaching the violent past in their articles inferences can be made about how today’s Irish society deals with its own past. On this basis the initial hypothesis can be verified or rejected.

1 Einleitung

Nach über 30 Jahren, in denen Nordirland immer wieder von Terroranschlägen und Gewaltakten geschüttelt wurde, sind die politischen Verhandlungen zwischen den Parteien der britischen Protestanten und der irischen Katholiken in den letzten Jahren in eine Phase gelangt, die begründete Hoffnungen auf ein Ende des Konfliktes zuläßt. Zumindest vertraglich haben sich die politischen Parteien bereits verpflichtet, die ihnen jeweils nahestehenden Terrorgruppen zur vollständigen Entwaffnung zu bewegen. In begeistertem Ton berichten die irischen Medien vom Ende der Gewalt und vom Aufbau einer neuen Gesellschaft, in der die Menschenrechte respektiert und eingehalten werden. Dennoch bleibt der irischen Gesellschaft die kollektive Erinnerung an eine gewalttätige Vergangenheit, die nicht rückgängig gemacht werden kann, und zu der die Mitglieder der Gesellschaft eine gemeinsame Position finden und einnehmen müssen. Eine einfache, positive Selbstidentifikation mittels der gemeinsamen Vergangenheit wird somit ausgeschlossen.

In dieser Arbeit soll am Beispiel Nordirlands der Hypothese nachgegangen werden, daß eine negative Vergangenheit in den gesellschaftlichen Diskursen tabuisiert wird, solange keine offiziellen Schritte zur Aufbereitung der Vergangenheit unternommen werden. Zu diesem Zweck beginnt die Arbeit im zweiten Kapitel mit einer Einführung in die Entwicklung des Nordirlandkonfliktes und einer Erläuterung konflikttheoretischer Annahmen hinsichtlich der Beschafffenheit dieses Konfliktes. Im Anschluß werden im dritten Kapitel verschiedene Arten der Vergangenheitsbewältigung diskutiert werden, die von der minutiösen Aufarbeitung mit Hilfe von Truth Commissions bis zur Tabuisierung des vergangenen Geschehens reichen. In diesem Zusammenhang diskutieren Geschichtswissenschaftler die angemessene Methode der Vergangenheitsbewältigung im Falle Nordirlands.

Zusätzlich zum Wissen über die gesellschaftliche Situation in Nordirland ist eine Erläuterung der Beschaffenheit von gesellschaftlichen Tabus und ihrer Manifestation in der Sprache notwendig, auf die sich das vierte Kapitel bezieht. Das fünfte Kapitel diskutiert die Methoden der Critical Discourse Analysis sowie das Verhältnis zwischen Mediendiskurs und den Diskursen innerhalb der Gesellschaft. Mit Hilfe der vorangegangenen Erläuterungen wird im sechsten Kapitel schließlich eine sprachliche Analyse einer Auswahl von 50 Beiträgen aus irischen und britischen Tageszeitungen aus dem Zeitraum von zwei Wochen im Januar 1999 durchgeführt werden. Dabei sollen die Ausdrucksweisen fokussiert und analysiert werden, mit denen Journalisten sich auf Aspekte der unmittelbaren irischen Vergangenheit sowie auf die derzeitige politische Situation beziehen. Im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Mediendiskurs und gesellschaftlichem Diskurs sollen anhand dieser sprachlichen Analyse Rückschlüsse auf die derzeitige Einstellung der irischen Gesellschaft gegenüber ihrer Vergangenheit ermöglicht werden. Anhand der so erhaltenen Ergebnisse läßt sich die anfangs aufgestellte Hypothese im siebten Kapitel daher verifizieren oder gegebenenfalls falsifizieren.

2 Die Situation in Nordirland: das Ende eines langen Konflikts?

Über mehr als dreihundert Jahre hinweg wurde auf der irischen Insel auf gewaltsame Weise eine Auseinandersetzung geführt, die, ausgehend von der ehemals beanspruchten britischen Vormachtstellung, zu einer kulturellen Spaltung und zu einem kulturellen Konflikt auswuchs. Seit Beginn der 90er Jahre unseres Jahrhunderts sind die Hoffnungen auf eine friedliche Beendigung dieses Konflikts aus unterschiedlichen Gründen wieder stark gestiegen. Das potentielle Ende dieser von Unrecht und Gewalt geprägten Epoche sollte in Nordirland zum Nachdenken über den weiteren Umgang mit diesem Thema Anlaß geben. Ist ein friedliches Ende in Sicht, so wird sich auch für Nordirland die Frage nach der Vergangenheitsbewältigung und nach dem Umgang mit begangenen Verbrechen stellen. Im folgenden Abschnitt soll daher zunächst ein kurzer Abriß der Entwicklung des Nordirlandkonflikts mit besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Gegenwart gegeben werden.

2.1 Geschichtlicher Hintergrund und Entwicklung des Nordirlandkonflikts

Den frühesten Ursprung des heutigen Konflikts datieren Geschichtswissenschafter auf das Jahr 1170 zurück, in dem ungefähr 50 Jahre nach der normannischen Eroberung Englands der englische König Heinrich II. die irische Insel seinem Herrschaftsbereich einverleiben wollte. Ihm gelang es, ein relativ kleines Gebiet mit der Bezeichnung The Pale rund um die heutige Stadt Dublin seiner Krone unterzuordnen. Der restliche Teil Irlands wurde weiterhin von den irischen Stammesfürsten beherrscht. Am Ende der Herrschaft Elisabeths I. jedoch verfügte die englische Krone bereits über die ganze Insel mit Ausnahme einiger Gebiete im Norden Irlands, die irische Stammesfürsten bis dato erfolgreich verteidigen konnten. Nachdem auch sie vertrieben worden waren, siedelte das englische Königreich 1609 im Rahmen der Plantation of Ulster protestantische und königstreue Briten aller Gesellschaftsschichten mit attraktiven Landgaben im Norden Irlands an, um neue Aufstände seitens der Iren zu verhindern. Seit dieser Zeit befinden sich die katholischen Iren in Nordirland in der Situation einer Minderheit. In den folgenden Jahrhunderten versuchten die Iren durch eine Vielzahl von Aufständen und militärischen Formierungen, die britische Fremdherrschaft abzuschütteln, deren kolonialistischer Herrschaftsstil die irische Gesellschaft insbesondere durch eine Hungersnot, the Great Famine, im Jahre 1840 extrem schädigte. Im zwanzigsten Jahrhundert gipfelten die Aufstände schließlich in einem Bürgerkrieg, nach dessen Ende im Jahre 1921 die Gründung der irischen Republik sowie die Regierung Nordirlands durch das Vereinigte Königreich vertraglich festgelegt wurden. Weite Teile der Gesellschaft sahen jedoch in dieser Regelung keine zufriedenstellende Lösung, so daß aufgrund der zahlreichen Protestaktionen ein permanenter Ausnahmezustand über Nordirland verhängt wurde. Mit der Gründung der Northern Ireland Civil Rights Association im Jahre 1967 initiierten irische Katholiken eine Reihe von Protestmärschen, bei denen sie, wenn auch nicht den Anschluß an die Republik, so doch wenigstens ein Ende der gesellschaftspolitischen Diskriminierung ihrer Minderheit forderten. Als Reaktion auf diese Proteste verstärkte die britische Regierung ihre militärische Präsenz in Nordirland, woraufhin auch irische militärische Gruppierungen wieder zum Leben erwachten. Die wiedergegründete Provisional IRA begann nun eine Periode permanenter Terroranschläge in Irland und Großbritannien, die auf der gegnerischen Seite durch Gruppierungen wie beispielsweise die Ulster Volunteer Force (UVF) mit ähnlichen Handlungen komplementiert wurde. Die so begonnene Spirale der Gewalt hat sich bis in die neunziger Jahre fortgesetzt (vgl. Darby 1995).

Konflikttheoretiker erklären diese Dynamik mit der Situation der beiden gegnerischen Gruppen  zueinander. Cunningham erläutert in seinem Essay verschiedene Konflikttheorien und überprüft sie auf ihre Anwendbarkeit auf den Nordirlandkonflikt (vgl. Cunningham 1998).  Beide der zwei groben theoretischen Richtungen geben dabei aufschlußreiche Einblicke in die Entwicklung der derzeitigen Situation. Die sogenannte Enemy System Theory basiert auf der Annahme, menschliches Denken strukturiere die Lebenswelt meist mit Hilfe von Dichotomien, durch die im Falle von Gruppenverhältnissen eine Dichotomie des Ich oder Wir gegenüber der Gruppe der anderen entsteht. Das allgemeine menschliche Bedürfnis nach einer positiven Identität führt dabei dazu, daß die sogenannte Outgroup gegenüber der Ingroup mit negativen Attributen belegt wird. Verschärft wird diese Tatsache durch die Erkenntnisse der Human Needs Theory, nach der gesellschaftliche Gruppen danach streben, nicht nur ihre materiellen, sondern auch ihre ideellen Bedürfnisse, wie das nach einer positiven Identität, zu sichern. Erreichen sie dabei ihr Ziel nicht, kommt es in der Gruppe zu Frustration, die im Form von Aggressionen, in diesem Falle in Form von Kriegen, entladen wird.

Cunningham stellt dabei fest, daß der Nordirlandkonflikt hier einem Nullsummenspiel gleichkommt. Ein Gewinn der einen Seite bedeutet zwangsläufig einen Verlust für die andere Seite. In diesem Aspekt sieht Cunninngham den Grund für die scheinbare Endlosigkeit des Nordirlandkonfliktes. Eine Lösung läßt sich daher ihm zufolge durch die gegenwärtigen Verhandlungen von Politikern nicht lösen, da das Aushandeln eines Vorteils für die eigene Gruppe selbst bei sensiblen Kompromissen immer einen Nachteil für die andere Gruppe bedeutet. Den einzigen Ausweg sieht Cunningham daher in Konzepten, die beiden Seiten bewußt machen, daß ihre Bedürfnisse möglicherweise einander nicht ausschließen. Bei genauerer Analyse entpuppten sich nämlich die scheinbar gleichen Motive für einen Konflikt als völlig unterschiedliche Bedürfnisse zweier Gruppen, die einander nicht ausschließen. So könne beispielsweise eine Gruppe eher das Bedürfnis nach dem Besitz eines bestimmten Territoriums haben, um ihr Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen, während die andere Gruppe dadurch ihrem Bedürfnis nach kultureller Identität gerecht werden will. Cunningham schlägt ein dreistufiges Programm vor, durch das sich zwei Gruppen dieser Unterschiede bewußt werden können, so daß aus dem ursprünglichen Nullsummenspiel eine Situation mit Gewinnperspektiven für beide Seiten erwachsen kann (vgl. Cunningham 1998). Dennoch wurden in den letzten Jahren vor allem auf politischer Ebene Einigungen erzielt, die zwar derzeit sehr kontrovers diskutiert werden, gleichzeitig jedoch als verheißungsvolle Schritte auf dem Weg zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes wahrgenommen werden.

2.2 Die gegenwärtige politische Situation in Nordirland

Der erst Schritt des derzeitigen Friedensprozesses wird meist in der Aufdeckung eines geheimen Treffens des Vorsitzenden der republikanischen Partei Sinn Féin, Gerry Adams, und dem Vorsitzenden der unionistischen SDLP, John Hume, im April 1993 gesehen (vgl. Melaugh 1998). Seit diesem Datum finden vermehrt Gespräche zwischen den Parteien beider Seiten statt, deren Ergebnisse teilweise durch anschließende gemeinsame Erklärungen, „joint statements“ (Melaugh 1998), veröffentlicht werden. Bis Anfang 1997 entwickeln die Mehrparteiengespräche eine stete Regelmäßigkeit. Dennoch wird der Friedensprozeß immer wieder durch Bombenanschläge der IRA, der Ulster Freedom Fighters und der Ulster Defence Association in Großbritannien und Irland unterbrochen. Die Gespräche münden jedoch am Karfreitag 1998 in das nach dem Datum benannte Good Friday Agreement, das später durch ein Referendum in Irland anerkannt wird. Demnach soll im Frühjahr 1999 erstmals seit 1971 wieder ein regionales Exekutivorgan in Nordirland eingesetzt werden, in dem alle Parteien vertreten sind. Weiterhin regelt der Vertrag die Abgabe aller Waffen seitens der Terrorgruppen bis zum Mai des Jahres 2000.

3 Die Problematik der kollektiven Vergangenheitsbewältigung

Wenn auch das Ende der Gewalt in Nordirland durch einen einigermaßen verläßlichen, politischen Vertrag abgesichert worden ist, so ist die irische Gesellschaft dennoch nicht von ihrer konfliktgeladenen Vergangenheit befreit. Die kollektive Vergangenheit einer Gesellschaft ist jedoch maßgeblich an der Bildung einer kollektiven Identität beteiligt. Daher muß die irische Gesellschaft zu einer kollektiven Einstellung finden, mit der sie ihrer Vergangenheit begegnet und mit ihr umgeht. Vor der Analyse der Situation in Nordirland soll diese Problematik zunächst auf einer allgemeineren Ebene erläutert werden.

3.1 Verschiedene Formen der Vergangenheitsbewältigung

Für alle Gesellschaften stellt sich grundsätzliche die Frage, auf welche Weise sie mit ihrer eigenen kollektiven Vergangenheit umgehen sollen. Insbesondere im Falle einer moralisch verwerflichen Vergangenheit ist diese Frage jedoch von besonderer Dringlichkeit, da nicht nur Individuen, sondern auch gesellschaftliche Gruppen grundsätzlich bestrebt sind, über eine positive Identität zu verfügen. Wenn die kollektive Vergangenheit Ereignisse beinhaltet, mit denen sich die gegenwärtige Gesellschaft nicht mehr identifizieren möchte und kann, muß diese Gesellschaft dennoch eine Art und Weise finden, mit dieser Vergangenheit umzugehen. Insbesondere Nationen, die sich erst kürzlich aus einem diktatorischen System befreien konnten oder in einen Krieg involviert waren, müssen sich diese dringlichen Frage stellen. Nicht nur Deutschland nach dem Nationalsozialismus und die ehemaligen Ostblockstaaten nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, sondern auch Länder wie Chile, Argentinien, Uruguay, El Salvador, Spanien nach dem Regime Francos, Griechenland und Äthiopien mußten sich in jüngster Zeit mit dieser Fragestellung auseinandersetzen (vgl. Ash 1998: 35).

3.1.1 Die Funktion der Truth Commissions am Beispiel Südafrikas

Viele Gesellschaften haben sich dazu entschlossen, ihre Vergangenheit systematisch aufzuarbeiten und die Verantwortung für sie zu übernehmen. Eine häufig wiederkehrende Form der Institutionalisierung dieses Prozesses ist die sogenannter Truth Commissions. Die Funktion dieser Wahrheitsausschüsse, wie man sie auf deutsch nennen könnte, erklärt der Historiker Timothy Garton Ash am Beispiel der Truth and Reconciliation Commission in Kapstadt, Südafrika (Ash 1997). Nach den ersten demokratischen Wahlen im Jahre 1993 können dort Menschen, die im früheren System politische Verbrechen begangen haben, im heutigen Staat Amnestie gewährt bekommen, wenn sie sich einer Truth Commission stellen. Nach einem Antrag auf Tauglichkeit müssen die Bewerber vor der Kommission sowie vor den Opfern oder deren Hinterbliebenen ihre Greueltaten gestehen und sich bei ihnen entschuldigen. Erst nachdem dieser Prozeß erfolgreich durchlaufen worden ist, kann dem Täter Freiheit von Verfolgung zugesprochen werden.

Für europäische Ohren mag dieses Verfahren einen fadenscheinigen Eindruck erwecken. Den Tätern wäre es schließlich ein leichtes, sich der Kommission zu stellen und ohne wirkliche Reue die Opfer um Vergebung zu bitten, um in den wertvollen Status der Straffreiheit zu gelangen. In der südafrikanischen Gesellschaft sind derartige Geständnisse jedoch einem Moralkodex unterworfen, der stark genug ist, um die Mitglieder der Gesellschaft von einem solchen Betrug abzuhalten. Bei weitem nicht alle Menschen, die sich in der Vergangenheit eines politischen Verbrechens schuldig gemacht haben, bewerben sich um ein Verfahren der Truth Commission. Viele dieser Menschen bereuen ihre Taten nicht oder sehen in dem geforderten Face-to-face-Geständnis eine zu große Erniedrigung ihrer eigenen Person (vgl. Garton Ash 1997: 34). Besonders die katholische Kirche, in der Kommission vertreten durch den südafrikaischen Erzbischof Desmond Tutu, unterstützt diese Methode der Vergangenheitsbewältigung mittels individueller Geständnisse. Folglich wird die Truth Commission auch hauptsächlich von Anhängern des christlichen Glaubens in Anspruch genommen. Der Glaube an das christliche Gebot der Nächstenliebe veranlaßt sowohl Täter als auch Opfer, eine Vergebung und Verzeihung auf persönlicher Basis für möglich und erstrebenswert zu halten (vgl. Garton Ah 1997: 33).

3.1.2 Die Verdrängung der Vergangenheit

Betrachtet man diese systematische und individuelle Aufarbeitung der Vergangenheit als eine extreme Methode der Vergangenheitsbewältigung, so kann das andere, wohl weit häufiger praktizierte Extrem im kollektiven Verdrängen und Vergessen der Vergangenheit gesehen werden. Auch mit dieser Methode setzt sich Timothy Garton Ash auf ethischer Ebene auseinander. Bewertet man die Verdrängung der Vergangenheit aus rein wissenschaftlicher Sicht, findet man Ash zufolge in zahlreichen Disziplinen Argumentationen, die ein Verdrängen der Vergangenheit als moralisch schlecht  verurteilen. So kommen beispielsweise Alexander und Margarete Mitscherlich in Deutschland aus psychologischer Sicht zu der Erkenntnis, daß die Unterdrückung der Erinnerung an negative Erlebnisse nicht nur im Falle von Individuen, sondern auch von ganze Nationen schädlich ist. Im Falle Deutschlands sei die seit dem zweiten Weltkrieg für die deutsche Nation notwendige „Trauerarbeit“ (Ash 1998: 35) jedoch noch immer nicht geleistet worden (vgl. Ash 1998: 35).

Insbesondere in der deutschen Gesellschaft hat sich jedoch auch ein allgemein verbreiteter Konsens hinsichtlich der Art und Weise der Vergangenheitsbewältigung herausgebildet. Demnach haben Gesellschaften, die ihre Fehler aus der Vergangenheit nicht erinnern und ihrer nicht bewußt bleiben, aus ihren Fehlern nicht gelernt und laufen Gefahr, diese Fehler in Zukunft zu wiederholen. Die Verbreitung dieser Argumentation ist aufgrund der fatalen Vergangenheit Deutschlands im zwanzigsten Jahrhundert nicht verwunderlich. Timothy Garton Ash folgert daraus sehr richtig, daß es in Deutschland heute politisch unkorrekt sei, dieses Wissen in irgendeiner Weise anzuzweifeln (vgl. Ash 1998: 35). In vielen Kreisen der deutschen Gesellschaft dürfte der Gedanke an eine legitime Verdrängung der NS-Vergangenheit auch auf rein persönlicher und gedanklicher Ebene ein Tabu sein. Insbesondere die Political Correctness-Bewegung basiert auf der Annahme, daß die Einhaltung bestimmter Sprachformen auch die persönliche Einstellung zu dem betroffenen Aspekt entsprechend Formen kann. In diesem Falle wäre eine Etablierung dieser Sprachformen gewiß wünschenswert. Zöllner argumentiert jedoch, daß eine derartige Beeinflussung der persönlichen Meinung durch sprachliche Formen nicht erwiesen sei. Daher bestehe die Gefahr einer schlichten sprachlichen Überdeckung eigentlich negativer Meinungen (vgl. Zöllner 1997: 256).

In der deutschen Gesellschaft unterliegt die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit einer derart permanenten und allgegenwärtigen Diskussion, daß die Möglichkeit legitimen Vergessens gar nicht mehr denkbar scheint. In dieser Diskussion spiegeln sich die Grundfunktionen eines Tabus wider. So schützt eine permanent aufrechterhaltene Diskussion um den Umgang mit der NS-Vergangenheit vor dem tabuisierten Aspekt, nämlich dem Vergessen. Gäbe sich die deutsche Gesellschaft kollektiv diesem Vergessen hin, liefe sie Gefahr, vom Ausland sozial geächtet zu werden. Während diese Gefahr der Ächtung auch zwischen Individuen bestehen kann, hat sie doch auf nationaler Ebene viel weitreichendere Auswirkungen. Zum zweiten erfüllt das Tabu des Vergessens wie viele Tabus eine wichtige Funktion bei der Aufrechterhaltung der Identität der deutschen Gesellschaft. Wer weiterhin über die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit spricht, darf sich zu der Gemeinde der Deutschen zählen, die ihre eigene Vergangenheit kollektiv verurteilen und nicht in den Verdacht geraten können, sie gut zu heißen.

3.2 Kann ein Bruch des Verdrängungstabus sinnvoll sein?

Ash jedoch kommentiert, daß dies bei weitem nicht die einzige Möglichkeit der Vergangenheitsbewältigung sei, und verweist dabei auf zahlreiche Beispiele aus der europäischen Geschichte, nach denen Machthaber zum Vergessen regelrecht aufgerufen haben (vgl. Ash 1998: 35). Auch nach dem Zweiten Weltkrieg haben Länder wie Frankreich, Italien oder Österreich versucht, ein einheitliches und offizielles Selbstverständnis aufzubauen, das die teilweise Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland der Kriegsjahre ignorierte. Doch auch in Deutschland selbst finden sich derartige Verdrängungsversuche vor allem in der 50er Jahren unmittelbar nach dem Krieg (vgl. Ash 1998: 35).  Desweiteren verweist Ash auf die Einführung der Demokratie in Spanien nach dem Regime Francos, bei der die Aufarbeitung der Vergangenheit bewußt unterdrückt worden war.

Nach einem umfassenden Überblick über die unterschiedlichen Abläufe der Vergangenheitsbewältigung in den verschiedenen Ländern kommt Ash zu dem Schluß, daß eine Aufarbeitung der Vergangenheit möglicherweise erst nach einer gewissen zeitlichen Distanz sinnvoll und durchführbar ist (vgl. Ash 1998: 36). Zum einen seien die Beteiligten unmittelbar nach dem Konflikt noch zu sehr emotional von ihren Erlebnissen belastet, um eine sinnvolle Aufarbeitung gewährleisten zu können. Zum anderen könne eine verfrühte Aufarbeitung jedoch auch dazu führen, daß die neu errichtete Demokratie geschwächt werde, indem sie sich die geschichtliche Belastung ihrer Mitglieder zu sehr vor Augen führe. Frühere Funktionäre und Mittäter sind häufig in einer solchen Überzahl vorhanden, daß sie vom neuen System nicht einfach ausgeschlossen, sondern integriert werden müssen. Ihnen müsse daher eine angemessene Periode eingeräumt werden, um sich zu Demokraten zu wandeln, so Ash (vgl. Ash 1998: 36).

Weiterhin stellt Ash die Frage danach, wer sich an der Aufarbeitung der Vergangenheit beteiligen solle. Dabei erscheint die Durchführung mittels Außenstehender eine vielversprechende objektive Perspektive zu verschaffen, die möglicherweise im Nürnberger Prozeß nach dem Zweiten Weltkrieg angestrebt worden ist. Das Recht, Vergebung und Verzeihung auszusprechen sei jedoch allein den Opfern selbst zuzugestehen (vgl. Ash 1998: 36). Das Beispiel der Einsicht in die Stasi-Akten im wiedervereinigten Deutschland zeigt außerdem, zu welchen emotionalen Konflikten die Einbeziehung anderer führen kann. So sprechen Ostdeutsche den Menschen in den alten Bundesländern häufig die Fähigkeit und das Recht ab, über die DDR-Vergangenheit zu sprechen oder gar zu urteilen (vgl. Ash 1998: 36).

3.3 Die Diskussion um die angemessene Form der Vergangenheitsbewältigung

Insbesondere an der University of Ulster in Belfast befassen sich Wissenschaftler mit der offenen Frage, welche Art der Vergangenheitsbewältigung im Falle Nordirlands am ehesten den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden könne. In diesem Rahmen veranstaltete die Initiative on Conflict Resolution and Ethnicity (INCORE) am 8. und 9. Juni 1998 in Belfast eine Koferenz zum Thema Dealing with the Past: Reconciliation Processes and Peace-Building. Einzelne Beiträge zu dieser Konferenz wurden unter der Herausgeberschaft von Brandon Hamber in Buchform sowie im Internet veröffentlicht (vgl. Hamber 1998a). Eine große Rolle spielen hier Beiträge zu den Chancen und Risiken des Einsatzes von Truth Commissions in verschiedenen Ländern wie in Südafrika oder Guatemala und ihrer Relevanz für die Situation in Nordirland. Plädoyers für oder gegen den Einsatz von Truth Commissions oder andere Formen der Aufarbeitung der Vergangenheit halten sich hier die Waage.

So befürwortet Kenneth Bloomfield, Leiter der Northern Ireland Victims Commission, einem Ausschuß, der das Ausmaß der Schädigung von Opfern und Angehörigen ausloten soll, eine sofortige Inangriffnahme einer kollektiven Aufarbeitung der negativen Vergangenheit. Gemäß Bloomfield müsse eine negative Vergangenheit in jedem Falle erinnert werden, um  aus ihr für die Zukunft zu lernen und um die einmal begangenen Fehler nicht zu wiederholen. Des weiteren sei es eine Pflicht des Staates gegenüber den Opfern und ihren Hinterbliebenen und Angehörigen, deren Leiden zu erinnern und anzuerkennen. Zu diesem Zweck fordert Bloomfield den Einsatz aller allgemein bekannten Hilfsmittel zur öffentlichen Erinnerung wie einer Gedenkstätte in Form eines Gartens oder eines Gebäudes, eines Gedenktages sowie eines Gedenksymbols zur einprägsameren Identifizierung. Neben der symbolischen und rituellen Ebene sollen eine Stiftung sowie besondere Bestimmungen im Wohlfahrtsgesetz für eine materielle Entschädigung der betroffenen sorgen (vgl. Bloomfield 1998).

Hamber selbst dagegen schließt sein Buch dagegen mit der Hypothese, die Zeit für eine minutiöse Aufarbeitung der Vergangenheit und Übernahme von Verantwortung für begangene Verbrechen sei in Nordirland noch nicht reif. Die klassischen Formen der Vergangenheitsbewältigung mittels Gedenkstätten und Gedenkveranstaltungen seien auch in Nordirland schon immer vollzogen worden. Hamber bemängelt an ihnen jedoch, daß sie das komplette Ausmaß des gesellschaftlichen Schadens immer nur selektiv und daher zugleich sektionistisch wahrnähmen. So gedenke jede Gemeinde meist nur ihrer eigenen Opfer, so daß die jeweils andere Seite fast automatisch in die Position eines Feindes projiziert werde. Derartige Formen der Vergangenheitsbewältigung seien daher dem gesamtgesellschaftlichen Heilungsprozeß nur wenig zuträglich.

Eine kollektive Aufarbeitung der Vergangenheit, die verbunden wäre mit einer Übernahme von Verantwortung aller beteiligter Seiten für ihre Verbrechen, hält Hamber dagegen im Falle Nordirlands eher schädlich:
“Equally, given the history of sectarianism in Northern Ireland, and that peace is not yet firmly entrenched, an official truth recovery process could also increase political tensions and lead to unnecessary, and unrepentant, finger-pointing.” (Hamber 1998b)
Eine derart gründliche Aufarbeitung hält Hamber im Falle Nordirlands ohnehin für unwahrscheinlich, da die Entscheidung zu diesem Schritt schließlich erst von den Gruppen der Gesellschaft selbst getroffen werden müsse. Zu dieser Übereinkunft werde es jedoch Hamber zufolge in Nordirland in nächster Zeit nicht kommen. Zwischen den beteiligten Gruppen bestehe ein zu ebenmäßiges Machtgleichgewicht, das sich im Falle einer Schuldoffenbarung negativ zugunsten der bekennenden Seite verändern könnte. Daher forderten beide Seiten grundsätzlich ein Bekenntnis der anderen Seite, ziehen es jedoch vor, die Wahrheit über die eigene Beteiligung im Verborgenen zu halten, um die eigene Partei nicht zu schwächen. Eine Aufforderung zum Schuldbekenntnis komme daher vielmehr dem Verlangen, die gegnerische Seite zu schwächen, als einem wirklichen Streben nach Frieden gleich (vgl. Hamber 1998b). Hamber fordert in seinem Kommentar nicht explizit dazu auf, die Greueltaten des Nordirlandkonfliktes zu vergessen, verweist jedoch implizit darauf, daß ihm eine Ignorierung der Vergangenheit derzeit die einzige praktikable Methode zu sein scheint.

Auch einige Theologen sehen den einzigen Ausweg aus dem scheinbar endlosen Konflikt in einem Paradigmenwechsel. Eine solche Verschiebung des Kontexts ließe sich beispielsweise von einer voranschreitenden Integration Irlands in die Europäische Union erwarten. Terence McCaughey, Senior Lecturer am Irish Department des Trinity College Dublin, hält dagegen einen Paradigmenwechsel für erforderlich, der gleichsam eine Ruhephase in den Lauf der Geschichte einfügt, der es den Beteiligten erlaubt, ihre Situation völlig neu zu überdenken. Als Beispiele für ähnliche Prozesse in der europäischen Geschichte verweist McCaughey auf die Reformation, bei der die Konzeption des Christentums neu reflektiert wurde, oder auf die Zeit der Aufklärung, in der das gesamt Weltbild neu erdacht wurde. Ein ähnlicher Einschnitt, der mit einer zeitlichen „Ruhepause“ einherginge, würde es McCaughey zufolge auch den Iren ermöglichen, die gesellschaftliche Lage ausreichend zu reflektieren und neu zu positionieren (vgl. McCaughey 1993: 117-129).

Nachdem dieses Kapitel einen Abriß über die gesellschaftliche und politische Entwicklung in Nordirland sowie die ethische Diskussion um  mögliche Lösungsansätze vermittelt hat, sollen im folgenden Abschnitt die Bedeutung von Tabus im Allgemeinen sowie ihre gesellschaftliche Funktion und ihre sprachliche Manifestation erläutert werden. Auf der Grundlage des Wissens über den Zustand der irischen Gesellschaft zusammen mit dem Wissen über die Funktion von Tabus kann im Anschluß eine fundierte sprachliche Analyse vorgenommen werden.

4 Tabus in der Gesellschaft

Der Begriff des Tabus mag auf den ersten Blick nicht völlig adäquat auf die Bezeichnung des Phänomens der Vergangenheitsverdrängung zugeschnitten sein. Der ursprünglichen Entlehnung dieses Wortes aus der Tongasprache Polynesiens steht jedoch bis heute keine deutschsprachige Übersetzung gegenüber, wenn auch eine Übertragung des Begriffs zwischen zwei verschiedenen Kulturen eigentlich nicht möglich ist, ohne ihn dabei zu modifizieren. Der Wandel und die unterschiedliche Verwendung des Tabubegriffs seien daher im folgenden kurz erläutert.

Seine erstmalige Verwendung in der europäischen Literatur verdankt der Begriff des Tabus dem Seefahrer James Cook, der damit auf seiner Expedition in den Jahren 1768-80 Handlungen der Bewohner Polynesiens beschrieb, die ihm unverständlich blieben. Aus der dort geläufigen Tongasprache ließen sich die Wörter ta pu gleichsam mit der Bezeichnung für etwas außerordentliches übersetzen (vgl. Schröder 1998a). Seither hat sich dieser schwer faßbare Begriff des Tabus, dessen Bedeutungsgehalt sich im Verständnis Cooks lediglich auf die Bezeichnung eines kulturellen Verbotes beschränkte, in den meisten europäischen Sprachen etabliert. Dabei wird es auch rückwirkend auf geschichtliche Phänomene angewendet, die der Anwendung auf die Rituale der Südseegesellschaften sicherlich noch am nächsten kommen.

In seiner umfassenden Mythensammlung The Golden Bough erklärt Sir James Frazer schon um die Jahrhundertwende die Funktion derartiger archaischer Tabus. Dabei erkennt Frazer, daß zwischen den tabuisierten Objekten und der sprachlichen Bezugnahme ein enger Zusammenhang besteht (vgl. Frazer 1911: 417). Erst durch die Veränderung und Modifikation der sprachlichen Bezeichnung erhalten die tabuisierten Objekte oder Handlungen eine soziale Markierung. Eine sprachliche Analyse einer gesellschaftlichen Gruppe kann daher meist weitreichende Aufschlüsse über die in ihr vorherrschenden Tabus geben.

4.1 Klassifikation verschiedener Tabuarten

Soziale Verbote in Form von Tabus existieren in den unterschiedlichsten Gesellschaften und in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Eine weitere Differenzierung der Phänomene, die durch den Begriff des Tabus abgedeckt werden, ist daher unumgänglich. Hartmut Schröder  unterscheidet in seinem Überblick zunächst zwischen Objekttabus und Tattabus. Auf kommunikativer Ebene werden diese durch Kommunikationstabus, Worttabus und Bildtabus repräsentiert und können durch zusätzliche Themen ergänzt werden. Auf einer gedanklichen Ebene können diese Tabus dazu durch Gedankentabus und Emotionstabus weitergetragen werden (vgl. Schröder 1998b). Am Beispiel des Inzesttabus wird das Verbot der eigentlichen Inzesthandlung durch ein Tattabu belegt. Kommunikations-, Wort-, und Bildtabus unterbinden oder erschweren den freien und öffentlichen Diskurs über dieses Thema. Weiterhin sorgt die Sozialisation der Menschen in westlichen Gesellschaften heutzutage in der Regel dafür, daß selbst der Gedanke an Inzest als schändlich angesehen wird, wodurch sich ein Gedankentabu konstituiert. Luchtenberg ergänzt hier, daß das zentrale und auslösende Tabu jedoch immer auf der Ebene gesellschaftlicher Konventionen verankert ist (Luchtenberg 1985: 170).

In einer weiteren Dimension können Tabus nach der Absolutheit ihrer Gültigkeit unterschieden werden. Vor allem archaische Tabus genossen meist eine unbedingte Validität, deren Nichteinhaltung meist mit strengen sozialen Sanktionen geahndet wurde. So schildert Frazer das Verbot der direkten Benennung der Namen von Gottheiten in archaischen Gesellschaften und erklärt es mit der menschlichen Annahme, Götter, Geister, Tiere oder sogar Dinge hörten und verstünden ihre sprachlichen Äußerungen. Hörten sie, daß die Menschen über sie sprachen, so werteten sie dies als Respektlosigkeit seitens der Menschen und sannen nach einer Strafe. Um diese tabuisierten Wesen also nicht direkt anzusprechen oder um zumindest auf eine positive Weise über sie zu sprechen, wichen die Menschen Frazer zufolge auf Umschreibungen und Ersatzwörter aus (vgl. Frazer 1911: 417). Da die Einhaltung dieser Verbote aus damaliger Sicht eine für den ganzen Volksstamm potentiell lebenserhaltende Maßnahme war, wurden Verstöße oft sogar mit dem Leben bestraft.

Andere Tabus dagegen erfüllen soziale Funktionen von geringerer Dringlichkeit und werden daher auch weniger stark sanktioniert. So können Tabus beispielsweise zur Aufrechterhaltung der kulturellen Identität einer Gruppe beitragen. Konrad Koestin argumentiert, daß das Verbot des Verzehrs von Schweinefleisch in Nomadenvölkern nicht aus hygienischen, sondern aus Identitätsgründen aufrechterhalten werde. Demnach konnte dieses Speiseverbot erst durch eine interkulturelle Kontaktsituation entstehen, in der die relevante Gruppe ihre Identität aufrechterhalten wollte. Die Gruppe der Nomaden sei in diesem Fall auf seßhafte Völker getroffen, deren augenscheinlichstes Merkmal aus ihrer Sicht die Domestizierung des Abfälle fressenden Hausschweins gewesen sei. Um sich von dem seßhaften Völkern symbolisch abzugrenzen, verhielten sich die Nomadenvölker nun kontrastiv zu den seßhaften Völkern und verboten den Verzehr von Schweinefleisch in ihrer eigenen Kultur (vgl. Koestin 1977: 168-169).

4.2 Das Viktoriansche Zeitalter als Ursprung vieler Euphemismen

Eine besonders augenfällige Form der sprachlichen Behandlung von Tabus läßt sich heute in der Verwendung von Euphemismen finden. Ursprünglich abgeleitet aus dem griechischen Begriff euphemos, einer Bezeichnung für wohlklingendes Sprechen, bezeichnen Euphemismen heute Ausdrucksformen, die auf verschiedene Weisen einen Begriff ersetzen, der bei seiner direkten Benennung gesellschaftlichen Anstoß erregen würde (vgl. Noble 1982: 5). Im angelsächsischen Englisch werden Euphemismen insbesondere seit dem Viktorianischen Zeitalter kultiviert. In dieser Zeit wurde der Sprachgebrauch durch eine erhebliche Anzahl neuer Euphemismen angereichert.

Sprachwissenschaflter haben aus verschiedenen Perspektiven versucht, diesen sprachlichen Wandel auf einen Wandel in der Gesellschaft zurückzuführen. Während der Regierungszeit Königin Viktorias in den Jahren 1837 bis 1901 hat die britische Gesellschaft einen starken ökonomischen Aufschwung erfahren. Noble erklärt das zeitgleiche Ansteigen der Häufigkeit von Euphemismen in der Sprache mit den veränderten Lebensbedingungen im industrialisierten England im Gegensatz zur vorindustriellen Gesellschaft. Die in der damaligen Zeit stark anwachsende soziale Mittelschicht siedelte sich hauptsächlich in städtischen Räumen an. Gemäß Noble stellten natürliche Vorgänge, wie beispielsweise Geburt und Tod, für die Menschen in ruralen Gesellschaften keine Besonderheit dar. Da sie diese Vorgänge täglich auch bei Tieren und in der Natur miterlebten, war die Erfahrung von Geburt und Tod ein fester Bestandteil ihres alltäglichen Lebens. Menschen in städtischen Umfeldern hatten Noble zufolge keinen derart direkten Kontakt zu diesen körperlichen Prozessen mehr, so daß sie als ungewöhnlich und unbekannt markiert wurden. Aus dieser Veränderung erklärt Noble das Ansteigen der Euphemismen zu dieser Zeit als sprachliche Reflexion der veränderten Einstellung der Menschen gegenüber natürlichen Prozessen (vgl. Noble 1982: 11).

Eine soziologisch fundiertere Erklärung bietet Nicole Zöllner, die nicht nur das Anwachsen einer wohlhabenden Mittelschicht berücksichtigt, sondern als Konsequenz daraus auch eine Umstrukturierung der ganzen Gesellschaft in Betracht zieht. Zöllner zufolge sahen die Angehörigen der etablierten Aristokratie ihre Distinktheit, die sie gegenüber der restlichen Bevölkerung bisher allein durch die Verfügung über größere materielle Ressourcen aufrechterhalten konnte, durch das Anwachsen einer ebenso reichen bürgerlichen Mittelschicht gefährdet. Aus diesem Grund habe die Aristokratie begonnen, die ihr eigene Tradition von Etiquette- und Verhaltensvorschriften, in der ein weiteres Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Bürgertum lag, intensiver zu pflegen und hervorzuheben. Zu diesem Kodex gehörten nicht nur alle Arten von gesellschaftlichen Konventionen, sondern auch die Pflege eines besonders prestigeträchtigen Sprachstils. Körperlichkeit und damit verbundene Themenkomplexe wie Geburt und Tod assoziierte die Aristokratie mit ärmeren Bevölkerungsschichten. Um sich von diesen sprachlich abzugrenzen und dennoch über die nun tabuisierten Objekte sprechen zu können, kam ein verstärkter Bedarf an Euphemismen zustande.

Doch gemäß Zöllner zieht sich dieser Bedarf nach Abgrenzung gegenüber standesniedrigeren Gruppen durch die ganze Bandbreite der Gesellschaft. Auch die neue Mittelschicht wollte sich daher von der sozial weniger prestigeträchtigen Arbeiterschaft abgrenzen und orientierte sich dabei an den einen sozialen Aufstieg versprechenden Umgangsformen der Aristokratie. Durch diesen immer fortlaufenden Prozeß haben sich Zöllner zufolge sprachliche Umgangsformen in der gesamten Gesellschaft etabliert (vgl. Zöllner 1997: 63-64).

4.3 Tabus und ihre Spuren in der Sprache

Während die Verwendung von Euphemismen eines der augenfälligsten Elemente im Sprachgebrauch ist, die auf die Existenz von Tabus hinweisen, können sich Sprecher außerdem weiterer Techniken bedienen, um sprachliche Tabus zu umgehen. Die Kategorisierung dieser Techniken soll im folgenden anhand der Arbeiten von Nicole Zöllner (vgl. Zöllner 1997), Sigrid Luchtenberg (vgl. Luchtenberg 1985) und Ulla Günther (vgl. Günther 1992) diskutiert werden. Alle Wissenschaftlerinnen haben sich in den letzten Jahren mit dem sprachlichen Phänomen auf zwei einander entgegengesetzte Weisen genähert.

Zöllner untersucht in ihrer Dissertation den Gebrauch von Euphemismen in der Sprache. Nach einer ausführlichen Diskussion der Funktionsweise verschiedener Euphemismen (vgl. Zöllner 1997: 129-160) behandelt sie deren Rolle im Rahmen der gegenwärtigen Political Correctness-Bewegung (vgl. Zöllner 1997: 211-316). Dabei legt Zöllner einen vergleichsweise weit gefaßten Euphemismen-Begriff zugrunde. In ihrer Kategorisierung unterscheidet Zöllner auf einer ersten Ebene Euphemismen nach ihrem Verhältnis zu dem eigentlichen Begriff, den sie substituieren sollen. Eine häufig verwendete Relation besteht im Wechsel der Generalisierungsebene. So läßt sich Zöllner zufolge ein Teil durch ein Ganzes (vgl. Zöllner 1997: 130-131) oder aber ein Ganzes durch ein Teil (vgl. Zöllner 131-133) ausdrücken. Als Beispiel für die erstgenannte Relation führt Zöllner den Begriff Baum als allgemeinere Substitution für den spezielleren Begriff Ahorn an (vgl. Zöllner 1997: 130). Für letztgenannte Relation zieht Zöllner ein Beispiel von Allan und Burridge hinzu, die auf die Verwendung des Wortes the whites in seiner Bezeichnung für die Scheidenflüssigkeit der Frau verweisen (Allan/Burridge 1991: 18). Weiterhin können Euphemismen zum bezeichneten Objekt im Verhältnis von Metaphern (vgl. Zöllner 1997: 133-135), Hyperbeln, Untertreibungen und Litotes (vgl. Zöllner 1997: 135-137) sowie Umschreibungen (vgl. Zöllner 1997: 137-138), Clippings, Acronymen, Abkürzungen und Auslassungen (vgl. Zöllner 1997: 138-140) stehen.

Eines ähnlichen Ansatzes bedient sich Sigrid Luchtenberg (vgl. Luchtenberg 1985). Während sich jedoch Zöllner auf die exakte sprachwissenschaftliche Klassifizierung und Beschreibung der Euphemismen konzentriert, hält sich Luchtenberg vorrangig an eine thematische Gliederung, die aufzeigen soll, welche lebensweltlichen Bereiche besonders häufig unter der Zuhilfenahme von Euphemismen angesprochen werden. Luchtenberg unterscheidet zusätzlich zwischen verhüllenden und verschleiernden Euphemismen. Unter verhüllenden Euphemismen versteht Luchtenberg demnach Sprechweisen, die einen unangenehmen Sachverhalt nur vage benennen. Verschleiernde Euphemismen dagegen ermöglichen es einem Sprecher oder Autor, die Aufmerksamkeit des Hörers oder Lesers auf einen ganz bestimmten Aspekt des Sachverhaltes zu lenken (vgl. Luchtenberg 1985: 167).  Diese Unterscheidung verweist zugleich auf die Möglichkeit der Manipulation seitens des Sprechers oder Autors und ist daher für die spätere Interpretation von Euphemismen im Rahmen dieser Arbeit hilfreich.

Ulla Günther nähert sich dem Sprachgebrauch dagegen von einer thematisch fixierten Perspektive und forscht nach den unterschiedlichen Methoden zur sprachlichen Behandlung tabuisierter Themen, unter denen der Gebrauch von Euphemismen nur eine Variante darstellt. So wählt Günther die Verwendung von Metaphern als eigenständige Kategorie (vgl. Günther 1992: 218) während Zöllner sie als Bestandteil der Klasse der Euphemismen behandelt (vgl. Zöllner 1997: 133). Die Wirkung der Verwendung von Euphemismen dagegen vergleicht Günther der von Fachvokabular (vgl. Günther 1992: 218). Auf syntaktischer Ebene führt Günther die bewußte Betonung oder Aussparung eines Agens an, die eine hervorhebende, beziehungsweise verschleiernde Wirkung zur Folge haben kann (vgl. Günther 1992: 218). Durch Mittel wie die der Redewiedergabe und der Rollenspezifikation können Sprecher die Gewichtung von Aussagen steuern (vgl. Günther 1992: 218). Die Vermeidung bestimmter Worte sowie eine vage Ausdrucksweise sind weitere einfachere Mittel zur Umgehung von Tabus (vgl. Günther 1992: 219), die in der Einteilung von Zöllner zu den Euphemismen in Form einer partikularisierenden Synekdoche gezählt werden (vgl. Zöllner 1997: 130). Zusätzliche Angaben können eine Aussage außerdem einschränken, so daß die direkte Referenz auf ein Tabu abgeschwächt wird (vgl. Günther 1992: 220). Schließlich erwähnt Günther die Verwendung von Proformen als Mittel zur indirekten Referenz als eines der innerhalb des von ihr untersuchten Korpus am häufigsten angewandten Mittel zur Verhüllung (vgl. Günther 1992: 221).

Für die vorliegende Arbeit erscheint die Übernahme der Einteilung von Günther zunächst sinnvoller, da auch hier vorrangig nach der Existenz von Tabus gesucht werden soll. Dennoch muß die Gliederung von Günther einige Einschränkungen erfahren, da sie auf die Analyse gesprochener Sprache ausgelegt ist. Vermehrt weist Günther darauf hin, daß der Gebrauch von Euphemismen und Metaphern in ihrem aus Phone-in-Sendungen stammenden Korpus kaum von Bedeutung ist, und begründet dies mit der Annahme, daß Sprecher sie dort vermeiden, da sie von einem unbekannten Publikum nicht mißverstanden werden wollen (vgl. Günther 1992: 218). Während Günther die Sprechweise bei Phone-in-Sendungen im Radio untersucht hat, liegt dieser Arbeit jedoch eine Printmedienanalyse zugrunde, so daß Rücksicht auf die verfügbaren Stilmittel der Schriftsprache genommen werden muß. Hier wiederum ergänzt Luchtenberg, daß sich Zeitungsberichte häufig durch ihre relative Vielfalt von Stilmitteln auszeichnen. Um einen für den Leser interessanten Sprachstil zu erzielen, können Journalisten auch aktuelle und möglicherweise noch fast unbekannte Redewendungen einsetzen, die sich noch nicht in der Standardspache etabliert haben (vgl. Luchtenberg 1985: 28). Eine Analyse von Zeitungen verspricht daher ein besonders reichhaltiges Bild, von dem später auf die gesellschaftliche Ideologie geschlossen werden kann.

5 Besonderheiten und Methodik bei der Analyse von Zeitungstexten

5.1 Die Methodologie der Critical Discourse Analysis zur Erforschung gesellschaftlicher Ideologien

Bei der Untersuchung sprachlicher Umgangsformen sind einer Analyse möglichst authentischer Situationen häufig enge Grenzen gesetzt. Um also herauszufinden, wie in einer bestimmten Gesellschaft über ein bestimmtes Thema gesprochen wird, wären daher die Transkriptionen einer Vielzahl von in verschiedenen Situationen aufgezeichneten Gesprächen notwendig. Doch schon das Wissen der Gesprächsteilnehmer über die Aufzeichnung des Gesagten modifiziert die Sprechsituation. Die Gesprächsteilnehmer fühlen sich beobachtet und verhalten sich befangen. Authentische Gesprächsaufzeichnungen sind daher auf diese Weise nicht zu bekommen. Folglich müßten Gespräche ohne das Wissen der Sprecher aufgezeichnet und transkribiert werden. Doch diese Methode stößt schnell auf moralische, wenn nicht rechtliche Grenzen. Eine beliebte, weil einfache Gelegenheit zur Gesprächsaufzeichnung wird oftmals in sogenannten Phone-in-Sendungen im Radio gesehen. Hier verhalten sich die Sprecher nach Regeln, die einem natürlichen Gesprächsablauf sehr ähneln und deren Besonderheiten sich leicht festhalten lassen. Gegen die Aufzeichnung von Radiosendungen stellen sich außerdem keinerlei moralische oder rechtliche Bedenken.

Selbst Ulla Günther, die sich mit der Untersuchung derartiger Phone-in-Sendungen befaßt hat, muß immer wieder den Grad der Öffentlichkeit diskutieren, der von den jeweiligen Anrufern empfunden wird. Einerseits üben die Sprecher die gewohnte Tätigkeit des Telefonierens aus und halten sich selbst für ausreichend aufgeschlossen, um vor der Hörerschaft über tabuisierte Themen zu sprechen. Andererseits zeigt Günther jedoch anhand vieler und häufig verwendeter sprachlicher Strategien, daß auch diese Anrufer sich befangen verhalten (vgl. Günther 1992: 47).  Während die Ergebnisse der bereits erläuterten Methoden aufgrund ihrer Problematik immer wieder relativiert werden müssen, sind bei einer Medienanalyse die Rahmenbedingungen offensichtlich. Analysiert man gesprochene oder geschriebene Sprache aus diversen Funk- und Printmedien, so stellt eine solche Analyse gar nicht erst den Anspruch, eine Sprechweise widerzuspiegeln, die der in zwanglosen, privaten Gesprächssituationen in irgendeiner Weise ähnelt oder gar gleichkommt. Statt dessen läßt sich der Sprachstil diverser Medien genau charakterisieren und beschreiben.

Darüber hinaus bietet eine Medienanalyse dennoch ähnlich detaillierte und aussagekräftige Ergebnisse hinsichtlich der kulturellen Eigenheiten der Gesellschaft, in der sie kursieren, wie eine konventionelle Gesprächsanalyse. Für die Tauglichkeit der Methodik der sogenannten Critical Discourse Analysis für den Bereich der Medienanalyse plädiert Brett Dellinger in seinem gleichnamigen Aufsatz und erläutert zugleich ihre Funktion (vgl. Dellinger 1995). Faßt man das Publikum der Massenmedien nicht nur als Botschaften empfangende Objekte, sondern als mit den Medien interagierende Subjekte auf, so erscheinen die Äußerungen der Medien als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses. Die Aussagen der Medien werden so nicht mehr allein als sprachliche Produkte ihrer Verfasser und Redakteure, sondern als Antwort auf ideelle Konstrukte der ganzen Gesellschaft betrachtet. Anstelle einer Analyse auf der Satzebene, in der semantische und syntaktische Untersuchungen eine Rolle spielen, fordert Dellinger eine Betrachtung der jeweiligen Medienbotschaft in ihrem ideologischen Kontext. Viele Aussagen und Redewendungen nehme der Empfänger als gegeben auf, ohne sie zu hinterfragen. Statt dessen sind viele Phrasen und Formeln an die Sichtweise einer gesellschaftlichen Ideologie angepaßt. Da die Empfänger meist keinen Stil einer alternativen Ideologie gewohnt sind, nehmen sie den Stil der geläufigen Ideologie als Charakteristikum medialer Berichterstattung an. Unabhängig von ihrer eigenen Einstellung gegenüber dieser Ideologie werden die Empfänger daher auf Dauer unsensibel für derartige eingebettete Annahmen. Dellinger bezieht sich hier auf Robert Kaplan, der die Besonderheit des Übermittlungsprozesses zwischen Verfasser und Empfänger herausstellt. Demnach muß es dem Verfasser zunächst gelingen, seine Ansichten im Text zu kodieren, bevor der Empfänger diese Ansichten aus dem Text dekodieren und möglichst richtig verstehen kann. Im Idealfall kommt es hier zu einer Kongruenz der Ansicht des Empfängers mit der des Verfassers (vgl. Dellinger 1995). Genau aufgrund dieser Kongruenz werden ideologische Ansichten oft als gegeben hingenommen oder gar nicht erst erkannt und somit nicht hinterfragt.

Auch Sigrid Luchtenberg diskutiert in ihrer Arbeit das Verhältnis zwischen der Sprache der Medien und gesellschaftlichen Diskursen. Sie verweist in diesem Rahmen auf das Recht der Pressefreiheit, das jedoch durch die gleichzeitige Verantwortung des Journalisten gegenüber der Gesellschaft eingeschränkt ist. Demnach dürfen Autoren keine Texte verfassen, die den Leser mittels sprachlicher Mittel in irgendeiner Weise beeinflussen könnten (Luchtenberg 1985: 28). Da aber auch die Verleger von Tageszeitungen den marktwirtschaftlichen Anforderungen der Effizienz unterliegen, werden Journalisten sich möglicherweise eher an den Bedürfnissen ihres Publikums orientieren. Dazu gehört in diesem Fall auch die Wiedergabe und die dadurch entstehende Verfestigung der öffentlichen Meinung. Relevante Kriterien für die Auswahl und die Gestaltung von Nachrichten in diesem Zusammenhang werden im Rahmen der News values im folgenden Abschnitt diskutiert werden.

5.2 Techniken der Critical Discourse Analysis

In seinem Essay Critical Discourse Analysis (Dellinger 1995) führt Dellinger weiterhin Beispiele für ideologische Einbettungen an, die auf verschiedenen Textebenen vorgenommen werden können. Ein besonders geläufiger Effekt liegt demnach in der Verwendung transaktiver bzw. nontransaktiver Sätze (vgl. Dellinger 1995: “transactive and non-transactive clauses) vor. Diese Unterscheidung läßt sich nur bedingt mit der Trennung zwischen aktiven und passiven Sätzen gleichsetzen. In transaktiven Sätzen werden bestimmte Personen explizit als Verursacher einer bestimmten Handlung herausgestellt. Nontransaktive Sätze dagegen rücken den Verursacher in den Hintergrund, können jedoch durchaus auch mit aktiven Verben gebildet werden. Beide Formen finden in der politischen Berichterstattung Verwendung, jeweils abhängig von der implizit intendierten Perspektive. Dabei fordert Dellinger, derartige Formulierungen auf keinen Fall als vom Autor unbeabsichtigt oder als Zufall abzutun. Wenn der Autor sich auch nicht bewußt auf dieses bestimmte Stilmittel stützen möchte, so implementiert er dennoch unbewußt seine Ideologie auf diese Weise in den Text. Die Differenzierung zwischen transaktiven und nontransaktiven Sätzen kommt dabei weiten Teilen der von Günther erwähnten Technik der Agensaussparung und –betonung zur sprachlichen Kennzeichnung von Tabus gleich.

Auch die Wahl lexikalischer Einheiten verweist Dellinger zufolge deutlich auf die Ideologie eines Autors. Die Wortwahl sei demnach keineswegs zufällig getroffen, sondern spiegele eine allgemein verbreitete, kulturelle Ansicht wider. Obwohl Dellinger nicht weiter auf die Analysemöglichkeiten auf lexikalischer Ebene eingeht, haben sich dennoch zahlreiche Forscher mit diesem vergleichsweise leicht greifbaren Phänomen sehr differenziert auseinandergesetzt.

Dellinger verweist außerdem auf die überproportional starke, emotionale Wirkung von Bildern auf den Empfänger. Die Art und Weise der bildlichen Darstellung bestimmter Sachverhalte sei häufig an triviale Umstände gebunden, vermittele daher aber ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. So werden Politiker meist in einer Rednerposition dargestellt, Rebellen dagegen in aggressiven Kampfszenen. Einander gegenübergestellt rückt der lediglich sprechende Politiker aufgrund der bildlichen Darstellung leicht in einer Opferposition, in der das System vor gewalttätigen Rebellen schützen muß. Die tatsächliche Handlungsmacht eines Politikers jedoch bleibt den Bildern fern (vgl. Dellinger 1995). Obwohl sich diese Analyse vorrangig auf sprachliche Aspekte konzentrieren soll, darf der einflußreiche Charakter von Bildern, der in fast jedem Massenmedium mehr oder weniger präsent ist, nicht außer Acht gelassen werden.

5.3 News values und die gesellschaftliche Ideologie

Deckt man in der Sprache der Massenmedien bestimmte Techniken auf, die auf gesellschaftliche Tabus hinweisen, so bleibt das Verhältnis zwischen gesellschaftlicher Ideologie und Mediensprache jedoch weiter unklar. Einen Einblick in die Art und Weise, auf die Journalisten in ihrer Sprache auf die gesellschaftliche Ideologie Rücksicht nehmen, kann die Theorie der sogenannten news values geben, die erstmals in 1965 von Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge entwickelt und später  ergänzt (vgl. Bell 1991: 155). Unter news values verstehen Galtung und Ruge dabei Kriterien, die eine reine Information erfüllen muß, um als Nachricht in den Medien verwendet zu werden. Demnach bevorzugen Journalisten negative Meldungen gegenüber positiven. Nachrichten sollten sich weiterhin vor möglichst kurzer Zeit und in möglichst unmittelbarer geographischer Nähe zum Nachrichtenempfänger ereignet haben. Außerdem muß eine Nachricht mit dem Vorwissen des Empfängers in Einklang stehen und darf diesem nicht widersprechen, da sie ansonsten als unglaubwürdig rezipiert wird. Dazu sollte die Information eine einfache und klare Struktur haben. Feine Nuancen und komplizierte Umstände dagegen lassen den klaren Gehalt verschwimmen. Nachrichten sollten dazu unerwartet eintreffen und möglichst in Form eines Superlativs dargestellt werden können. Auch die unmittelbare Relevanz der Nachricht für das Leben des Empfängers ist entscheidend. Ein Bezug der Meldung zu Personen, insbesondere bekannter Personen sowie eine verläßliche Quelle und die Konsistenz der Meldung mit allen notwendigen Informationen lassen die Meldung eher zur Nachricht werden. Schließlich spielen auch rein pragmatische Kriterien eine Rolle bei der Auswahl von Nachrichten. Je leichter ein Ereignis vorhersehbar ist, desto einfacher ist es für Journalisten, ihm direkt beizuwohnen und ausführlich zu berichten. Außerdem sind Redakteure immer um eine ausgeglichene Themenvielfalt in ihrem Medium bemüht, so daß auch weniger relevante Meldungen als Nachrichten verwendet werden können, wenn sie einen thematischen Ausgleich bilden sollen (vgl. Bell 1991: 156-159).

Die thematische Auswahl der in dieser Arbeit analysierten Texte ist auf Berichte im Zusammenhang mit dem Nordirlandkonflikt beschränkt, so daß die Theorie der news values hier nicht auf direkte Weise angewendet werden kann. Die Kriterien, die in ihnen enthalten sind, verdeutlichen jedoch, wie Journalisten auf die Bedürfnisse ihrer Verbraucher, der Medienempfänger, eingehen. Dabei halten sie eine Gradwanderung zwischen Nachrichten ein, die einerseits mit dem Vorwissen des Empfängers möglichst konsistent sein sollen, andererseits jedoch auch eine gewisse Überraschung in sich bergen. Für den Sprachstil im Zusammenhang mit den Themen des Nordirlandkonfliktes bedeutet dies, daß Journalisten stets die Ideologie ihrer Leser wiedergeben müssen. Sie müssen daher also auch auf in der Gesellschaft vorhandene Tabus Rücksicht nehmen. Um interessant zu bleiben, können sie diese Tabus jedoch auch zumindest in einem gewissen Maße brechen. Wird eine Tabuthema beispielsweise von den Mitgliedern einer Gesellschaft überhaupt nicht angesprochen, so steht es Journalisten frei, mit Hilfe von Stilmitteln, wie beispielsweise Euphemismen, auf diese Themen indirekt anzuspielen und so das Interesse des Lesers zu erwecken. Für die folgende Medienanalyse kann dies bedeuten, daß die in den Zeitungsberichten indirekt erwähnten tabuisierten Aspekte im Alltagsleben der irischen Gesellschaft einem um so stärkeren Tabu unterliegen.

5.4 Auswahl der analysierten Massenmedien

Bei der Auswahl der zu untersuchenden Artikel aus verschiedenen Printmedien soll der thematische Inhalt und seine Gewichtigkeit für den Nordirlandkonflikt im Hintergrund stehen. Die politische Situation hat sich in Nordirland in der Vergangenheit jedoch häufig sehr schnell und in kurzen Intervallen maßgeblich verändert. Diese jeweils großen Schritte innerhalb des Friedensprozesses können auch die Ansichten der Bevölkerung sowie die vorherrschende Ideologie  schnell modifizieren. Die Auswahl der Artikel fokussiert daher einen möglichst eng abgesteckten zeitlichen Rahmen. Für die vorliegende Untersuchung dienen 50 Artikel aus irischen und britischen Tageszeitungen aus einer Zeitspanne von zwei Wochen zwischen dem neunten und dem 21. Januar 1999. Zu diesem Zweck unterhält der Internet-Anbieter Newshound.Com (Newshound 1999) eine täglich aktualisierte Auflistung aller Artikel aus Tageszeitungen, die in irgendeiner Weise auf Nordirland Bezug nehmen. Sämtliche Texte, die in dieser Arbeit untersucht werden, sind daher durch diese Internetquelle vorher selektiert worden. Die Artikel, auf die dieser Dienst verweist, entstammen größtenteils irischen sowie britischen Tageszeitungen. Sofern sich Zeitungen anderer englischsprachiger Länder auf Nordirland beziehen, wird jedoch auch auf diese Beiträge hingewiesen.

5.5 Gesellschaftliche Relevanz der untersuchten Tageszeitungen

Um die Relevanz des untersuchten Korpus für die irische Gesellschaft abschätzen zu können, ist ein statistischer Vergleich ihrer Leserschaft mit der bekannter deutscher Tageszeitungen hilfreich. Die Darstellung der Leserschaft der irischen Zeitungen erweist sich dabei insofern als kompliziert, als die verschiedenen Medien sich jeweils auf unterschiedliche Märkte erstrecken. Während Zeitungen wie der Irish Independent sowie die Irish Times hauptsächlich auf den Markt in der Republik Irland ausgerichtet sind, zielen die Irish News vorrangig auf eine Leserschaft in Nordirland ab, verkaufen aber auch einen beachtlichen Teil ihrer Ausgabe in der Republik. Ähnlich verhält es sich mit den britischen Medien. Für eine grobe Gegenüberstellung sollen daher die Daten von Irish Independent und Irish Times genügen und den drei größten deutschen Tageszeitungen, nämlich der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Welt, gegenübergestellt werden. Die zugrundeliegenden Zahlen basieren dabei auf den eigenen Angaben des Irish Independent (vgl. Independent Newspapers Ltd. 1998: Power Point-Folie 6), der Irish Times (vgl. The Irish Times Online Media Kit 1998), der Süddeutschen Zeitung (vgl. Süddeutsche Zeitung 1998) und dem Statistischen Bundesamt (vgl. Statistisches Bundesamt 1997). Abbildung 1 veranschaulicht zunächst die absolute Reichweite der verschiedenen Zeitungen.
 

 Abbildung 1: Absolute Reichweite irischer und deutscher Tageszeitungen (Anzahl der Leser pro Ausgabe)





Überträgt man jedoch diese absolute Reichweite in eine Relation zur Bevölkerungszahl des jeweiligen Landes, so wird die relativ hohe Reichweite der irischen Tageszeitungen offensichtlich. Abbildung 2 zeigt die relative Reichweite der Zeitungen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung im Alter über 14 Jahren.

Abbildung 2: relative Reichweite irischer und deutscher Zeitungen in Prozent der jeweiligen Landesbevölkerung über 14 Jahren





Diese starke Divergenz im Bezug auf die relative Reichweite innerhalb der jeweiligen Bevölkerung läßt sich anhand des unterschiedlichen Medienmarktes in Irland und Deutschland erklären. Selbst die größten deutschen Tageszeitungen erreichen nur etwa jeweils zwei bis drei Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung, da sie mit einem breitgefächerten Angebot vergleichbarer Medien konkurrieren müssen. Die großen irischen Tageszeitungen dagegen befinden sich auf dem dortigen Markt in einer Oligopolstellung. Abgesehen von den marktwirtschaftlichen Konsequenzen läßt sich daher festhalten, daß diese Zeitungen verglichen mit ihren deutschen Äquivalenten einen entscheidenden Teil der Bevölkerung erreichen und somit fest in den öffentlichen Diskurs der gesamten Gesellschaft integriert sind.

5.6 Inhalte der analysierten Beiträge

Wie bereits erwähnt, bezieht sich die vorliegende Untersuchung mit Absicht nicht auf einen Zeitraum, der ein möglicherweise besonders relevantes politisches Ereignis enthält. Von größerer Bedeutung soll hier die Aktualität der analysierten Texte sein. Wenn sich die politische Lage innerhalb der untersuchten zwei Wochen auch nicht gravierend verändert hat, so soll an dieser Stelle dennoch die gegenwärtige politische Lage Nordirlands kurz skizziert werden.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit berichten die Tageszeitungen hauptsächlich über die Diskussion um die Entwaffnung der IRA. Gemäß einer im April 1998 von beiden Seiten verabschiedeten Vereinbarung, dem sogenannte Good Friday Agreement oder Belfast Agreement, will die britische Regierung am 10. März 1999 eine regionales, politisches Exekutivorgan in Nordirland einsetzen, dem insgesamt zehn Minister angehören sollen. Zwei der Sitze sollen dabei der republikanischen Partei Sinn Féin, dem politischen Flügel der IRA, zustehen. Die Angehörigen der Exekutive sollen ferner aus der schon bestehenden Nordirlandversammlung, der Northern Ireland Assembly, hervorgehen. Einen Monat vor dem Einsatz der Exekutive, am 15. Februar 1999, will die britische Regierung endgültig darüber entscheiden, ob die gegenwärtige politische Lage eine Machtübertragung an die Exekutive zuläßt. Der Vorsitzende der Nordirlandversammlung und Parteichef der Ulster Unionist Party (UUP), David Trimble, hat nun öffentlich gefordert, Sinn Féin nur dann an der Exekutive zu beteiligen, wenn die Partei vorher ihren paramilitärischen Flügel, die IRA, zu einer vollständigen Waffenübergabe bewegen kann. Dabei beruft sich Trimble auf den Inhalt des Good Friday Agreement, das eine Entwaffnung aller paramilitärischen Gruppierungen bis zum Mai 2000 vorsieht. Das Agreement selbst knüpft die Beteiligung von Sinn Féin also nicht an die Bedingung einer gleichzeitigen Entwaffnung. Trimble jedoch hält diese von ihm zusätzlich aufgestellte Bedingung für angemessen. Überdies werde die Zeit bis zum Ende der Frist für die Waffenübergabe immer knapper, so daß bald mit effektiven Schritten begonnen werden müsse, um die Frist überhaupt noch einhalten zu können.

Die gegenwärtige Diskussion enthält daher die unterschiedlichsten Meinungen und Forderungen zur weiteren Vorgehensweise. Gegner Trimbles, zu denen auch viele Angehörige seiner eigenen Partei zählen, behaupten, Trimbles Forderung sei nicht realisierbar und behindere den weiteren Friedensprozeß. Viele Beobachter zweifeln jedoch auch an der Kontrolle Sinn Féins über die IRA. Selbst wenn Sinn Féin eine Waffenübergabe für sinnvoll hielte, hieße dies noch nicht, daß die Partei auch in der Lage sei, eine solche zu veranlassen. In diesem Rahmen dreht sich die Diskussion jedoch derzeit immer wieder um dieselben Standpunkte. Ein weiterer definitiver Schritt war daher erst von der Entscheidung der britischen Regierung Mitte Februar 1999 zu erwarten, die die Zukunft der geplanten Exekutive bestimmen sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte jedoch noch keine Einigung erzielt werden, so daß die Nordirlandsekretärin Mo Mowlam mittlerweile einen weiteren Aufschub bis Anfang April 1999 eingeräumt hat.

Einen weiteren Diskussionsbrennpunkt bildet die Aufarbeitung des letzten größeren Terroranschlags der IRA im August 1998. Eine Bombenexplosion im nordirischen Omagh forderte damals 29 Tote und über einhundert Verletzte. Der nordirischen Polizei, der Royal Ulster Constabulary (RUC), sind die Täter des Anschlags mittlerweile bekannt. Es mangelt ihr jedoch an den erforderlichen Beweisen, um die Verantwortlichen strafrechtlich zu verurteilen. Andrew Hunter, ein konservatives Mitglied des Unterhauses, hat nun erwägt, die Namen der Täter in der wöchentlichen Fragestunde zur Nordirlandpolitik im Unterhaus öffentlich zu nennen. Als Parlamentsmitglied würde er in diesem Falle Immunität genießen, die ihn selbst vor einer strafrechtlichen Verfolgung als Konsequenz für seine Verkündung schützen würde. Seine Absicht jedoch ist es „to name and shame“ (Anonym 1999e) die Täter in einer öffentlichen und überaus medienwirksamen Situation. Indem die Namen der Täter publik gemacht werden, erhofft sich Hunter weitere zweckdienliche Hinweise zu dem Anschlag, die die erforderlichen Beweise erbringen könnten. In diesem Falle berichten die Tageszeitungen von den zahlreichen Wortmeldungen von Politkern aller Couleur, die sich größtenteils gegen Hunters Vorhaben aussprechen. Hat Hunter die volle Unterstützung der Angehörigen der Opfer des Anschlags, verweisen Politiker derweil auf die moralische Bedenklichkeit seines Schrittes und zweifeln an seiner Zuträglichkeit zum allgemeinen Friedensprozeß.

Des weiteren finden sich unter den analysierten Artikeln viele allgemeine Stellungnahmen und Reportagen von Journalisten, die den Nordirlandkonflikt in seiner Gesamtheit reflektieren und das aktuelle Geschehen in einen größeren zeitlichen Rahmen einbetten.

6 Sprachliche Analyse des Textkörpers

Sprachliche Hinweise auf die Repräsentation des Nordirlandkonflikts in der Presse lassen sich auf allen sprachlichen Ebenen aufdecken. Auf semantischer Ebene läßt die Wortwahl Rückschlüsse auf eine bestimmte Ideologie zu. Untersucht man die Syntax der verwendeten Sätze, so werden ganz bestimmte Muster deutlich, mit denen die Ideologie auch in die Satzebene hineinprojiziert wird. Doch auch die Untersuchung der Organisation längerer Textabschnitte mit den Mitteln der Textlinguistik kann Einblicke in die zugrundeliegende gesellschaftliche Vorstellung von einem Sachverhalt geben. In der folgenden Analyse soll die Einteilung der sprachlichen Strategien von Ulla Günther übernommen werden, die bereits in Abschnitt 4.3 erläutert worden sind. Da sich bei Nicole Zöllner teilweise eine präzisere klassifikatorische Einteilung und Beschreibung der verschiedenen Euphemismen findet, empfiehlt sich diese außerdem zur Präzisierung der vorliegenden Analyse. Günthers Strategien, die auf eine Untersuchung von gesprochener Sprache ausgerichtet sind, müssen jedoch teilweise modifiziert werden, um zur Analyse geschriebener Texte hinzugezogen zu werden. So kann die Strategie der Agensbetonung und -aussparung im Falle von Zeitungstexten sehr viel weiter gefaßt werden. Durch die Definition transaktiver gegenüber nontransaktiver Sätze von Dellinger kann die Strategie von Günther hervorragend auf die Anwendung in der Schriftsprache erweitert werden. Günthers sprachliche Techniken von Redewiedergabe und Rollenspezifiaktion dagegen finden in der Schriftsprache fast gar keine Verwendung.

In den folgenden Abschnitten sollen diese Stilmittel näher erläutert werden und anhand von Beispielen aus dem zu untersuchenden Textkorpus auf ihre Relevanz hin überprüft werden. Die thematische Komplexität des Nordirlandkonfliktes könnte jedoch dazu führen, daß verschiedene Themenbereiche innerhalb dieses Komplexes auf unterschiedliche Weise behandelt werden. Daher werden im folgenden verschiedene Themenfelder einzeln untersucht.

Faßt man die verschiedenen Instrumente zur sprachlichen Behandlung von tabuisierten Themen unter dem Terminus der Strategien zusammen, so versteht Teun van Dijk darunter alle Bewegungen (engl. moves; van Dijk 1984: 116) innerhalb eines Gesprächs, die zur Erreichung des kommunikativen Ziels dienen. Vor allem in mündlichen Gesprächen lassen sich diese Bewegungen meist in Form von Korrekturen erkennen, die den weiteren Text genauer auf das Gesprächsziel ausrichten. Gemäß van Dijk liegt diesen Strategien ein sogenannter Plan zugrunde, in dem die kognitiven Repräsentationen eines Sprechers oder Autors über den Verlauf eines Gesprächs oder eines Textes enthalten sind. Eine einzelne Strategie, die durch einzelne Bewegungen im Text ausgeführt wird, stellt daher einen Teilplan dar, der zur Erfüllung des Hauptplanes beiträgt (vgl. van Dijk 1984: 115-116). Diese Terminologie erscheint zunächst vorrangig auf die Bedingungen der Analyse gesprochener Sprache angepaßt zu sein. Tatsächlich aber muß auch der Verfasser schriftlicher Sprache einzelne Strategien verfolgen, um seine Gesamtaussage Schritt für Schritt zu spezifizieren. Im Gegensatz zu gesprochener Sprache wird ein Autor jedoch Strategien verfolgen können, die planmäßig verläßlicher aufeinander abgestimmt sind. Sprecher dagegen müssen in der Lage sein, nach jedem Sprecherwechsel ihre Strategien zu modifizieren und anzupassen.

6.1 Sprachlicher Bezug auf Gewaltanwendungen in der Vergangenheit

Ausgehend von der allgemeinen Hypothese, daß die irische Gesellschaft derzeit dazu tendiert, die kollektiv erlebten, negativen Ereignisse aus der Erinnerung zu verdrängen, stellt eine sprachliche Bezugnahme auf Gewaltanwendungen in der Vergangenheit die direkteste Annäherung an das angenommene Tabuthema dar. Beiträge in den Printmedien zu diesem Thema zeichnen sich jedoch nicht etwa durch eine verstärkte Verwendung sprachlicher Mittel zur Umgehung des Tabus aus. Vielmehr wird eine Bezugnahme auf konkrete Gewaltanwendungen in der Vergangenheit vollkommen gemieden, so daß man hier mit einiger Sicherheit Rückschlüsse auf ein zugrundeliegendes Tabu ableiten kann. Eine bestimmte Gattung von Beiträgen dagegen erwähnt in expliziter Ausdrucksweise Grausamkeiten aus der Vergangenheit. Dabei handelt es sich um Beiträge von Autoren, die sich in die Diskussion um die angemessene Form der Vergangenheitsbewältigung einschalten und sich für eine detaillierte und individuelle Aufarbeitung von Verbrechen einsetzen. Auch hier erlaubt jedoch das vergleichsweise seltene Erscheinen derartiger Plädoyers Rückschlüsse auf die Leserschaft der Zeitungen und damit auf die vorherrschende gesellschaftliche Ideologie. Insbesondere die direkten Opfer von Gewalttaten und deren Angehörige fordern eine Aufdeckung der Wahrheit über ihre Täter. In den übrigen Artikeln finden sich nur wenige indirekte Bezugnahmen.

6.1.1 Metaphern

Im Belfast Telegraph bedient sich ein Autor der Metapher einer Bombenexplosion, um auf den Beginn des gewaltsamen Konfliktes in den sechziger Jahren hinzuweisen. Die Phrase „it all blew up at the time of the civil rights march” (White 1999) ersetzt in diesem Fall ein abstraktes Ereignis, an dessen Ausmaße der Leser nicht erinnert werden möchte, durch ein konkretes, punktuelles Ereignis (vgl. Zöllner 1997: 134). Das Verb blew up gehört zum Vokabular eines umgangssprachlichen Jargons. Diese stilistische Inkongurenz erzielt Zöllner zufolge eine zusätzliche euphemistische Wirkung (vgl. Zöllner 1997: 147-152). Dazu vermeidet der Autor durch die Proform it eine konkrete Benennung des dreißig Jahre andauernden Konfliktes. Wenige Absätze später greift er die Metapher der Explosion noch einmal auf und formt den Begriff der „civil rights explosion” (White 1999). Eine ähnliche euphemistische Bezeichnung für einen Kriegsausbruch findet Sigrid Luchtenberg in der Phrase der große Knall auch im Deutschen (vgl. Luchtenberg 1985: 45), erläutert jedoch nicht weiter den gesellschaftlichen Grund für diese verhüllende Phrase.

6.1.2 Euphemismen und Fachvokabular

Vor allem britische Medien beziehen sich auf den Nordirlandkonflikt häufig mit der euphemistischen Bezeichnung „the Troubles” (Breen/McCartan 1999). Hier wird der direkte Bezug auf den Konflikt durch eine Abschwächung (vgl. Zöllner 1997: 136) sowie durch den Wechsel auf eine niedrigere Stilebene in der Sprache (vgl. Zöllner 1997: 147-152) relativiert. Der Begriff spiegelt auf diese Weise die Ideologie wider, in deren positives Selbstbild ein belastender Konflikt nicht hineinpaßt. Die Bedeutung des Konfliktes wird daher sprachlich so weit wie möglich heruntergespielt. Eine zusätzliche Präfigierung (vgl. Zöllner 1997: 144-145) wie in den Formen „the pre-troubles era“ (White 1999) sowie „the pre-Troubles 'peacetime'” (Moloney 1999c) schwächt den Bezug auf den Konflikt noch mehr ab. Im ersten Zitat ruft außerdem der Ausdruck era positive Konnotationen hervor, im zweiten Zitat relativiert die Kennzeichnung des Begriffes ‘peacetime‘ durch Anführungsstriche dessen Bedeutung (vgl. Zöllner 1997: 152) und rechtfertigt erst so die Referenz auf eine Zeit relativen Friedens.

Eine weitere geläufige Referenz auf die Vergangenheit besteht in der Verwendung des Begriffes conflict, wie ihn beispielsweise Tony Blair mit der Phrase „after generations of conflict“ (Blair 1999) in seiner in mehreren Tageszeitungen publizierten Rede gebraucht. Selbst in der deutschen Sprache ist der Euphemismus Nordirlandkonflikt  die geläufigste Bezeichnung für das komplexe Phänomen. Auch dieser Euphemismus wirkt durch eine Abschwächung der realen Gewaltausschreitungen. Außerdem kann in dem Begriff conflict eine Metapher gesehen werden, die das abstrakte und komplexe politische Phänomen durch einen konkreteren Begriff ersetzt. Das Wort conflict kann sich ebenso auf einen einfachen zwischenmenschlichen Streit beziehen. Die sprachliche Referenz auf die Gewaltausschreitungen in der Vergangenheit wird auf diese Weise umgangen.

In engem Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Friedensprozeß, dem die Medien vorzugsweise eine gewisse Eigendynamik zuschreiben, wird die bisweilen begründete Befürchtung geäußert, daß die Wiederaufnahme kriegerischer Handlungen auch in der Gegenwart noch jederzeit möglich ist. Ein solches Ereignis wird grundsätzliche in seiner Relation zur permanenten gesellschaftlichen Annahme eines Friedensprozesses wahrgenommen. Dieses Verhältnis äußert sich häufig in der räumlichen Metapher eines return, wie beispielsweise in den Phrasen „a return to violence“ (Fletcher 1999a), (Moloney 1999a) , (Moloney 1999b), (Clarke 1999a), aber auch „return to conflict“ (Clarke 1999a) oder „returning to war“ (Moloney 1999b). Während die Begriffe violence und conflict den vergangenen Zustand, auf den diese Rückkehr ausgerichtet wäre, nur ungenau und verschleiernd benennen, bezieht sich der Begriff war im letzteren Zitat vergleichsweise direkt auf den tatsächlichen Zustand.

Die vereinzelt gebrauchte Phrase “the old ways” (Blair 1999) umschreibt die Eigenheiten der Vergangenheit auf einer umgangssprachlichen Stilebene und läßt dabei den Aspekt der Gewalt völlig außer Acht, so daß eine sprachliche Bezugnahme auf das tabuisierte Thema vermieden wird. Zugleich drückt der Autor hier das allgemeine Empfinden der Gesellschaft aus, die sich mit dieser negativ besetzten Vergangenheit schon gar nicht mehr identifizieren möchte.

Nicht selten finden sich in den Zeitungen Konstruktionen, in denen die Autoren die unterschiedlichsten Stilmittel miteinander kombinieren, um einen noch euphemistischeren Effekt zu erzielen. Angesichts potentieller Terroranschläge von Seiten der IRA schreibt ein Autor im Sunday Tribune: „the IRA could seriously contemplate re-opening hostilities“ (Moloney 1999b). Schon die Anhäufung der verschiedenen Relativierungen und Einschränkungen verhilft der Phrase zu einer sehr indirekten Aussage, deren etwaige Gültigkeit für den Leser überhaupt nicht mehr einzuschätzen ist. Mit der allgemein verwendeten Abürzung IRA für die Terrorgruppe wird deren Name und Absicht verhüllt (vgl. Zöllner 1997: 138). Eine zusätzliche Wirkung erzielen die Fremdwörter contemplate und hostilities, deren Bedeutung dem Leser weniger exakt bekannt sein wird wie etwa die der geläufigeren Synomyme to consider, beziehungsweise fights (vgl. Zöllner 1997: 145-147). Schließlich trägt die Suffigierung einzelner Wörter wie in re-opening zu einer Bedeutungsrelativierung bei (vgl. Zöllner 1997: 144-145), so daß der Sprachstil der gesellschaftlichen Tendenz, die Grausamkeiten der Vergangenheit zu tabuisieren, in höchstem Maße gerecht wird.

6.2 Sprachlicher Bezug auf den gegenwärtigen Friedensprozeß

Im direkten Gegensatz zu den Grausamkeiten der Vergangenheit wird der gegenwärtige Friedensprozeß von der irischen Gesellschaft wahrgenommen. Wenngleich diese Entwicklung positiv und in jeder Hinsicht wünschenswert ist, zwingt seine Fragilität, die sich in der Tagespolitik immer wieder allzu deutlich bemerkbar macht, zum einem vorsichtigen sprachlichen Umgang mit dem Friedensprozeß. Um der Ideologie der Gesellschaft gerecht zu werden, schreiben sowohl Politiker als auch Zeitungsautoren dem Prozeß eine unaufhaltsame Eigendynamik zu, die lediglich von unkooperativen gesellschaftlichen Randgruppen gestört werden könnte. Ein solcher Prozeß fordert der Gesellschaft außerdem lediglich eine Vorbereitung auf die Zukunft ab, nicht aber eine Nachbereitung der unangenehmen Vergangenheit. Im folgenden Abschnitt sollen daher einige Beispiele dieser sprachlichen Techniken erläutert werden.

6.2.1 Metaphern

Politiker beider Seiten werfen einander häufig vor, Sie  wollten absichtlich „the collapse of the agreement“ (Fletcher 1999a) herbeiführen. Im allgemeinen besteht die Befürchtung, daß „the entire peace could collapse“ (Anderson, C. 1999). Mittels dieser Metapher verändert der Autor den Beseeltypus (vgl. Zöllner 1997: 134) des Good Friday Agreement, das an dieser Stelle die gesamte Zukunft Nordirlands symbolisiert und somit von höchster Bedeutung ist. Der Euphemismus trägt dazu bei, daß sich die Leserschaft nicht direkt das fatale Ausmaß des Risikos vor Augen führen muß. Im zweiten Zitat liegt mit dem Ausdruck entire peace zudem eine Hyperbel vor, die an dieser Stelle darauf hindeutet, wie wenig man in Wirklichkeit von Frieden sprechen kann (vgl. Zöllner 1997: 136).

Zusätzlich finden sich viele Metaphern, die aufgrund der Art ihres Verhältnisses zum bezeichneten Objekt verdeutlichen, welche Auffassung die Gesellschaft von dem Friedensprozeß hat. So wird der abstrakte Prozeß meist mit konkreten Alltagsbildern verglichen. Die Eigendynamik des Prozesses läßt sich demnach ähnlich einer Theateraufführung bedingt steuern. So hofft Mo Mowlam „to choreograph a series of moves by the Ulster Unionists and Sinn Fein“ (Kearney/Ryder 1999b). Der Prozeß kann auch mit Hilfe eines rollenden Fahrzeuges dargestellt werden, das durch verschiedene Kräfte gebremst wird, wie beispielsweise durch die „IRA's Executive, a body which historically has always acted as a brake on the Army Council“ (Moloney 1999a). Erneute Gewaltausschreitungen, wie „the Omagh bombing with its threat of a slide back into violence.“ (Moloney 1999c) können den Friedensprozeß gleichsam wie ein Fahrzeug auf unsicherem Untergrund ins Rutschen bringen. Mit der Referenz auf einen spielerischen Tanz wie in der Phrase „For the next four weeks the peace process will be in limbo“ (Breadun 1999b) wählt der Autor eine Vergleichssituation, die in keiner Weise mehr die Fatalität des Konfliktes vermittelt. Auch aus der Welt des Sports lassen sich triviale Spielsituationen herausgreifen, die dem Nordirlandkonflikt seine Gefährlichkeit nehmen: „If the baton in the relay race was passed to her, she [Mo Mowlam] was not going to drop it.“ (Breadun 1999b).

Der Kommentar in dem Satz „But not all of them seem to have appreciated that the game has changed, that the language and behaviour of the past is not appropriate to the provisional agreement“ (Arthur 1999) enthüllt schließlich auf deutliche Art und Weise die Einstellung der Gesellschaft zu ihrer Vergangenheit. Zwischen Vergangenheit und Zukunft wird hier ein Bruch vollzogen, der sich in allen Bereichen manifestieren soll. Die Metapher der Sprache anstelle der gesamten Handlungen in der Vergangenheit verweist dazu auf die enge Verbindung zwischen Sprache und realer Welt.

6.2.2 Euphemismen und Fachvokabular

Schon die häufige Referenz auf den in der Gesellschaft allgegenwärtigen Friedensprozeß läßt den Begriff „peace process“ (Holland 1999), (Anderson, M. 1999b), (Breadun 1999a), (MacCionnaith 1999) zu einem Schlagwort verkommen, dessen Inhaltslosigkeit nur noch einen schwachen Bezug auf das Ende einer gewaltsamen Epoche herstellt (vgl. Zöllner 1997: 153). Ähnliche Formulierungen liegen in den Ausdrücken „political process” (O’Toole 1999) sowie „political progress” (O’Toole 1999) vor. Die Übertriebenheit der Annahme eines derart selbständigen Prozesses läßt sich durch einen Vergleich mit den Ausdrücken veranschaulichen, die in ausländischen Tageszeitungen Verwendung finden. So bezieht sich beispielsweise die New York Times auf den „Northern Ireland peace effort“ (Clarity 1999). Der Autor gesteht hier der irischen Gesellschaft lediglich das permanente Bemühen um Frieden zu, geht aber nicht von einem selbständig voranschreitenden Friedensprozeß aus.

Damit der Leser sich nicht in seiner Vorstellung ausmalen muß, welche Konsequenzen ein Einhalt des Friedensprozesses haben könnte, verwenden Autoren häufig Fremdwörter, um diese Möglichkeit zu beschreiben, wie beispielsweise die Erwähnung von „fears that the situation is deteriorating“ (Kearney/Ryder 1999b). Kurze Zeit vor der untersuchten Periode wurde in Nordirland außerdem ein sogenannter „'normalisation report'“ (Moloney 1999c) veröffentlicht, der das Voranschreiten des Friedensprozesses dokumentieren soll. Die Bezeichnung wird dabei nicht als Eigenname verwendet und mit Großbuchstaben versehen; statt dessen verwenden Zeitungsautoren grundsätzlich Anführungsstriche, um die Bedeutung des Reports zu relativieren (vgl. Zöllner 1997: 152) und damit dessen niedriges Ansehen innerhalb der Gesellschaft auszudrücken. Auf ähnliche Weise drückt die Verwendung von Anführungszeichen in der Phrase „Ian Paisley, Bob McCartney together with the leaders of other ‘constitutional’ parties“ (Garland 1999) die Ansicht der Gesellschaft bezüglich der Instabilität der politischen Landschaft Irlands aus.

6.2.3 Agensbetonung und Agensaussparung

Aussagen, deren Inhalt das Voranschreiten des Friedensprozesses negativ beeinflussen könnte, werden häufig anderen Stimmen zugeschrieben, die nicht näher spezifiziert werden. Häufig wird die Informationsquelle durch Verschachtelungen in der Verbkonstruktion wie im folgenden Zitat noch weiter verhüllt: „It is said to have been told in extremely trenchant terms by the unionists that, if Sinn Féin is allowed into an executive, the UUP will walk out.“ (Breadun 1999b). Im nächsten Beispiel markiert der Autor zusätzlich die brisanteste Information in hot words durch ein direktes Zitat: „Senior sources said there were "hot words" between them [David Trimble und Mo Mowlam]“ (Breadun 1999b). Im letzten Beispiel schließlich hüllt derselbe Autor alle drei involvierten Personengruppen in allgemeine Bezeichnungen: „Observers suspect UUP dissidents might defect to the anti-Agreement camp“ (Breadun 1999b). Die Quelle der Aussage läßt sich durch den Begriff observers keiner politischen Ausrichtung zuordnen. Das Subjekt des Inhalts der Aussage läßt sich mit UUP dissidents lediglich als möglicherweise gewalttätige Splittergruppe der Ulster Unionist Party erschließen. Mit dem anti-Agreement camp, einer metaphorischen Bezugnahme auf einen konkreten Kriegsschauplatz, bezieht sich der Autor schließlich auf alle Gruppen, die dem Belfast Agreement nicht zustimmen.

Die sprachliche Umsetzung eines Friedensprozesses, der sich aus eigener Kraft entwickelt, entläßt die Journalisten aus der Pflicht, Personen zu benennen, die direkt für die Entwicklung des Prozesses verantwortlich sind. Auf diese Weise läßt sich das heikle Thema der Schuldfrage problemlos umgehen, zumal auch der Leser nicht an einer minutiösen Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten für gegenwärtige Zustände interessiert zu sein scheint. Im allseitigen Einverständnis unterliegt somit auch die Benennung von Verantwortlichen in gewisser Weise einem sprachlichen Tabu. Autoren stellen lediglich fest, „that the time has come for real political progress“ (O’Toole 1999), ohne damit bestimmten Gruppen oder Personen direkt eine Aufgabe zuzuschreiben. So stellt der gleiche Autor später fest: „You have a number of sources of authority“ (O’Toole 1999). Um selbst diese Gruppe von Autoritäten im folgenden nicht mehr direkt benennen zu müssen, weicht der Autor danach auf eine Passivkonstruktion aus: „No decision has been taken yet“ (O’Toole 1999). Auch die Hoffnungen auf ein Ende der Gewalt sind derart vage, daß es für Journalisten sogar zu riskant ist, die Äußerung der Hoffnung einer bestimmten Gruppe oder Person zuzuschreiben, wie folgendes Zitat veranschaulicht: „The significance of the IRA's move may tempt some to conclude that it amounts to declaring the ceasefire to be permanent.“ (Moloney 1999a). Das unbestimmte Agens in some wird hier durch eine Reihe zusätzlicher Angaben wie may tempt sowie amounts to declaring weiter relativiert.

6.2.4 Wortvermeidung und Vagheit

Günthers Kategorie der Wortvermeidung und Vagheit deckt sich häufig mit Zöllners Verwendung von Euphemismen, die sich als ein Ganzes zu einem Teil, also als eine partikularisierende Synekdoche zum eigentlichen Objekt verhalten (vgl. Zöllner 133). Die Phrase „discuss the issue, but there is still no resolution“ (O’Toole 1999) veranschaulicht die ohnehin häufige Verwendung des Wortes issue, das an dieser Stelle den gesamten Nordirlandkonflikt abdeckt. Auch der Begriff resolution zeigt, wie unspezifisch die Vorstellung der irischen Gesellschaft hinsichtlich des Ziels des Friedensprozesses ist.

6.2.5 Zusätzliche Angaben zur Einschränkung von Aussagen

Tony Blair spricht in seiner veröffentlichten Rede vom Ziel des Friedensprozeß als „hardly impossible dreams“ (Blair 1999) und kreiert damit eine Konstruktion die mittels zusätzlicher, verkomplizierender Angaben die eigentliche Aussage verhüllt. Die doppelte Negation erzielt normalerweise eine Verstärkung der positiven Aussage. Diese muß vom Leser jedoch zunächst durch einen komplizierteren Schlußfolgerungsprozeß erschlossen werden. Auf diese Weise verhindert auch Blair ein zu gewagtes Versprechen. Mit seinem folgenden Aufruf, der zugleich das Versprechen beinhaltet, daß die Gesellschaft beruhigt mit ihrer Vergangenheit abschließen kann, spricht Blair wahrscheinlich der irischen Gesellschaft aus der Seele: „Every fresh agreement shows Northern Ireland’s politicians looking to the future, not the past. History can be overcome.“ (Blair 1999).

6.3 Sprachlicher Bezug auf die gegenwärtige Diskussion um Entwaffnung

Innerhalb des untersuchten Zeitraums stellt die Diskussion um eine Entwaffnung der IRA ein zentrales Thema der Berichterstattung in den Printmedien dar. David Trimble, der erste Minister der derzeitigen, beratenden Nordirlandversammlung, beharrt auf einer freiwilligen Waffenabgabe seitens der IRA bevor die Partei Sinn Féin Einzug in den geplanten, regionalen  Exekutivkorpus Einzug halten darf. Da diese Bedingung jedoch nicht durch das Belfast Agreement vertraglich vereinbart worden war, spiegelt sich in den Medien eine lebhafte Diskussion um Trimbles Forderung wieder. Eine Selbstentwaffnung der IRA wird zwar von einem großen Teil der Gesellschaft erhofft, die Aussichten auf eine tatsächliche Entwaffnung werden jedoch gleichzeitig für sehr gering gehalten. Angesichts des ungeheuren Schadens, den die IRA mit ihren Waffen in der Vergangenheit angerichtet hat und noch immer anzurichten vermag, erfolgt der sprachliche Umgang mit der Aufforderung zur Selbstentwaffnung äußerst vorsichtig und vage. Auch das freie Sprechen über die Waffen, mit denen die Gesellschaft eine grausame Vergangenheit assoziiert, ist daher tabuisiert.

6.3.1 Metaphern

Angesichts der von einigen Parteien erwägten Möglichkeit, von dem im Belfast Agreement enthaltenen Revisionsartikel Gebrauch zu machen zeichnet Breadun einen Überblick über die zeitgenössische Situation mit Hilfe von Metaphern, die zusätzliche Vergleichselemente aus der Freizeitwelt enthalten: „This [invoking the review clause] could be their strongest card, especially if there is an outcry among the public over decommissioning, the continuing barbaric practice of paramilitary beatings and mutilations, and perhaps some unforeseen republican "own goal" along the lines of the Donegal Celtic debacle.“ (Breadun 1999b). So vergleicht der Autor den Austausch von Argumenten zunächst mit einem Kartenspiel und wechselt später mit own goal in die Fußballwelt. Dramatisiert wird diese Verharmlosung der politischen Diskussion durch die Gegenüberstellung mit der Stimmung der Öffentlichkeit, einem outcry angesichts der mit barbaric practice of paramilitary beatings and mutilations direkt und ungeschützt benannten fortdauernden Terroranschläge.

6.3.2 Euphemismen und Fachvokabular

Für den Aspekt der Selbstentwaffnung nordirischer Terrororganisationen hat die Mediensprache mit dem Ausdruck des „decommissioning“ (Breadun 1999c), (Anderson, C. 1999), (Breadun 1999b), (Clarke 1999a), (Kearney/Ryder 1999b), (Moloney 1999b), (Moloney 1999c), (Murray/McCartney 1999) längst einen feststehenden Terminus geformt, der regelmäßige Verwendung findet. Dieser Euphemismus ersetzt den eigentlichen Tatbestand der Entwaffnung durch eine übergeordnete Kategorie, die sich wohl am ehesten mit einem Ablassen von den bisher verfolgten Zielen übersetzen ließe, und zur Entwaffnung selbst im Verhältnis einer Metonymie steht (Zöllner 1997: 131). Die Eigenschaft eines Fremdwortes (vgl. Zöllner 1997: 145-147) sowie die Präfigierung des eigentlichen Wortes commission (vgl. Zöllner 1997: 144-145) tragen zu einer weiteren Verhüllung der Wortbedeutung bei. Auf diese Weise wird eine direkte sprachliche Referenz auf die schwierige gesellschaftliche Aufgabe der „Entsorgung“ von Altlasten aus der Vergangenheit vermieden. Das häufig verwendete Substantiv kann in gleicher Weise als Verb wie in „decommission“ (Fletcher 1999a) eingesetzt werden. Die attributive Verwendung führt dagegen zu einem noch euphemistischeren Effekt, der hauptsächlich durch die Hinzufügung zusätzlicher Angaben erzielt wird. Die Termini erhalten dabei gelegentlich beinahe absurde Züge wie beispielsweise in Tony Blairs Bezugnahme auf die „decommissioning commission“ (Blair 1999). Aber auch zusammen mit inhaltsschwachen Leerformeln wie in  „the decommissioning issue“ (Fletcher 1999a) oder „the decommissioning problem“ (Garland 1999) läßt sich der Euphemismus verstärken (vgl. Zöllner 1997: 153). Eine die Verwendung in Form einer Auslassung (vgl. Zöllner 1997: 139) wie in „the D-word“ (Moloney 1999b) erfordert schließlich das Verständnis einer Gesellschaft, die den Terminus des decommissioning schon in höchstem Maße verinnerlicht hat. Die Tatsache, daß der Autor einen derart verfremdeten Begriff problemlos in einer Tageszeitung einsetzen kann, verdeutlicht daher die Selbstverständlichkeit, mit der die irische Gesellschaft darauf vorbereitet ist, Euphemismen zu diesem Thema zu dekodieren.

Ein weiterer Euphemismus liegt in den Substantiven „disarming“ (Fletcher 1999a) sowie „disarmament“ (Fletcher 1999a), (Clarke 1999a) vor. Mit dem Grundwort arms liegt hier zwar kein völliges Fremdwort vor, doch die Modifikation zu einem substantivierten Partizip und die zusätzliche Präfigierung erzielen in ähnlicher Weise einen euphemistischen Effekt. Im Gegensatz zu dem Begriff des decommissioning liegt im Falle von disarming kein Wechsel der Generalisierungsebene vor, so daß zumindest die Involvierung von Waffen im Falle von disarming direkt benannt wird. Der Begriff disarming wird aber im Gegensatz zu decommissioning vergleichsweise selten verwendet, was an seiner geringeren euphemistischen Wirkung liegen mag.

Die Bedingungen, die beide Seiten des Konflikts einander häufig stellen, um weitere Schritte des Friedensprozesses zu implementieren, sind häufig derart unrealistisch, daß die irische Gesellschaft beim Gedanken an die dadurch bewirkte Unerreichbarkeit eines dauerhaften Friedens schier verzweifeln mag. Der Terminus der „old preconditions“ (Moloney 1999b) zeigt durch seine stilistische Inkongruenz mit dem Rest des Textes die Tabuisierung einer sprachlichen Reflexion der ausweglosen politischen Situation. Die Präfigierung im Falle von preconditions ist eigentlich unnötig und verstärkt daher lediglich den Ausdruck der Bedingtheit der Bereitschaft einiger Parteien zum Frieden.

6.3.3 Agensbetonung und Agensaussparung

Auch bei der Frage hinsichtlich einer Entwaffnung tendieren Journalisten dazu, heikle Aussagen unspezifizierten Sprechern als Zitat zuzuweisen. In dem Satz „"Dublin is giving way too much succour to the unionist position," sources close to republican thinking say“ (Breadun 1999b) wird die direkte Rede unpersönlichen sources zugeschrieben und selbst deren Spezifizierung bleibt durch zusätzliche Angaben vage. Gemäß des Autors lassen sie sich nicht direkt mit einer republikanischen Denkweise definieren, sie befinden sich lediglich close zu ihr. Mit dem Ausdruck republican thinking wird diese weitere Bezugsgruppe nicht direkt dem republikanischen Lager zugeschrieben. Statt dessen gesteht der Autor ihr lediglich eine republikanische Denkweise zu. Das Zitat direkt den Republikanern zuzuschreiben hätte die Wahrheit sicherlich exakter wiedergegeben. Doch auch die Aussage der direkten Rede enthält mit Dublin ein Subjekt, dessen Agens verhüllt bleibt. Diese ungeheure Verschachtelung macht deutlich, wie sehr das brisante Thema der Entwaffnung, das einen engen Bezug zur Vergangenheit beinhaltet, im gesellschaftlichen Diskurs tabuisiert wird.

Diese Brisanz der Entwaffnungsfrage zeigt sich weiterhin in der permanenten Aussparung der Referenz auf die eigentlichen Personen, die eine solche Entwaffnung einleiten können. In der Phrase „before the IRA begins decommissioning“ (Anonym 1999h) bleiben verantwortliche Personen oder Splittergruppen der IRA, deren abgekürzter Name eine zusätzliche euphemistische Wirkung schafft, unerwähnt.

6.3.4 Verwendung von Proformen

Ein Beispiel aus der Entwaffnungsdiskussion veranschaulicht die verhüllende Wirkung von Proformen, wenn diese vermehrt und konsequent eingesetzt werden: „‘I don’t believe they [the Provos] will decommission totally then, but I think they will try to make some sort of gesture, but it’s not going to happen until then. It’s a chicken and egg situation.‘“ (Anonym 1999h). In diesen beiden Sätzen kommt dem Leser nicht nur der direkte Bezug auf die Gruppierung, die zur Abrüstung aufgefordert werden soll, abhanden. Zusätzlich wird auch die Referenz auf den eigentlichen Abrüstungsprozeß durch die Verwendung eines zweimaligen it verschleiert, so daß dem Leser die vollen Ausmaße der Problematik nicht vor Augen geführt werden.

6.4 Sprachlicher Bezug auf fortdauernde Terrorakte

Trotz des merklich voranschreitenden Friedensprozesses kommt es in Nordirland auch heute noch immer wieder zu Terroranschlägen und anderen gewalttätigen Ausschreitungen, die im Zusammenhang mit dem Konflikt stehen. Nur sehr wenige Zeitungsbeiträge nehmen auf diese Tatsache überhaupt Bezug, so daß die meisten Zitate dieses Abschnittes nur einer kleinen Gruppe von Artikeln, insbesondere dem Beitrag von Jim Cusack (vgl. Cusack 1999) entnommen sind. Diese Artikel berichten meist direkt über einen bestimmten Tathergang. Im Rahmen von Beiträgen, die primär einen anderen Aspekt des Konfliktes behandeln, werden die Terrorakte dagegen kaum oder nur verhüllt erwähnt. Terrorakte stellen in der Vorstellung der Gesellschaft einen Aspekt dar, der ihrer Vergangenheit angehört. Gegenwärtige Terrorakte stehen jedoch zu dieser Annahme und zum Friedensprozeß im Allgemeinen im Widerspruch, so daß auch die sprachliche Referenz auf sie in gewissem Maße tabuisiert wird.

6.4.1 Euphemismen und Fachvokabular

Um sich auf indirekte Weise auf einen Terroranschlag zu beziehen, verwendet die irische Presse häufig den Begriff atrocity, der sich wohl wörtlich als Schrecklichkeit ins Deutsche übersetzen ließe. Zusammen mit einem spezifizierenden Substantiv wie in „terrorist atrocity“ (Anonym 1999f),  „Omagh atrocity“ (Anonym 1999e) oder „the previous loyalist atrocity“ (Anonym 1999i) genügt das verhüllende Fremdwort, das sich zudem nur auf eine übergeordnete semantische Ebene eines Attentats bezieht und so nur in einer Relation der Hypernymie zu ihm steht. Aufgrund ihres gesellschaftlichen Wissens kann eine direktere Referenz in der irischen Presse vermieden und so der Tendenz der Tabuisierung von Gewaltanwendungen nachgekommen werden.

Weiterhin werden die verschiedenen Terrorgruppen, deren Struktur und Aufteilung selbst für Iren nicht leicht zu überschauen ist, meist mit dem Adjektiv paramilitary  zusammenfassend gekennzeichnet. Terroristische Organisationen mit offiziellen militärischen Strukturen zu vergleichen, verschleiert effektiv deren Illegalität und rückt sie in die Nähe von gesellschaftlich akzeptierten Organisationen. Die Vorsilbe para- schwächt in diesem Falle weniger die Bedeutung des Wortes ab, sondern wandelt den Begriff vielmehr zu einer Leerformel, deren von der militärischen Grundbedeutung abweichender Inhalt nur noch schwer faßbar ist. Zusammen mit anderen allgemeinen Begriffen und Leerformeln wie beispielsweise in der Phrase „nationalists with previous paramilitary links“ (Anonym 1999g) oder in „the continuing paramilitary beatings“ (Breadun 1999c) werden terroristische Handlungen noch weiter verschleiert. Häufig werden Terroranschläge auch lediglich als Aktivitäten bezeichnet, wie in „the scale of paramilitary activity“ (Anonym 1999i) oder „active dissident paramilitary figures“ (Cusack 1999), so daß keinerlei Bezugnahme auf die Anwendung von Gewalt stattfindet. Auch im Zusammenhang mit der Entwaffnungsfrage kann von “paramilitary disarmament“ (Murphy 1999) gesprochen werden. Dabei kann der Militärbegriff produktiv eingesetzt werden und beispielsweise Assoziationen an die Demilitarisierung Deutschlands nach dem Zweiten Wetkrieg hervorrufen wie in „the Provos' demilitarisation agenda“ (Moloney 1999c). Als Substantivierung wie in „loyalist paramilitaries“ (Clarke 1999a) genügt der Begriff jedoch auch allein zur Referenz auf Terrorgruppen. Wie bedeutungsarm und unspezifisch der Begriff dabei geworden ist, verdeutlicht der Ausdruck der „political paramilitary leaders“ (Garland 1999), der sich bei einer spezifizierteren Bedeutung von paramilitary als Oxymoron herausstellen würde. Die schwierige Aufgabe der Bekämpfung gegenwärtiger Terrorakte läßt sich mit Hilfe von abstrakten Fremdwörtern wie in der Phrase „to diminish the levels of paramilitary involvement“ (Breadun 1999c) verhüllen. Die ausdrückliche Unterscheidung in der Phrase „all agree it was a paramilitary rather than "criminal" raid“ (Cusack 1999) verdeutlicht die bewußte Trennung im Denken der irischen Gesellschaft. Demnach agierten paramilitärische Terrorgruppen auf einer höheren moralischen Ebene als schlichte Kriminelle.

Im Rahmen euphemistischer Fremdwörter muß außerdem die häufige Verwendung des Begriffes dissident erwähnt werden. In diesem Falle steht die wörtliche Übersetzung der Andersdenkenden in der Relation einer Hypernymie zu den eigentlich bezeichneten Terroristen. Dabei läßt der Oberbegriff den Aspekt der Beteiligung von Gewalt bewußt aus, so daß die Terrorgruppen sprachlich verschleiert und dem Gewalt- und Vergangenheitstabu der Gesellschaft angepaßt werden. Zur näheren Bezeichnung der Terrorgruppen eignen sich dazu Adjektive der allgemeinsten Ebene wie beispielsweise in „dissident republican“ (Moloney 1999c), „dissident republican operations“ (Cusack 1999) oder „dissident loyalists“ (Breadun 1999c). Auch Tony Blair unterscheidet zwischen „loyalist and republican dissidents“ (Blair 1999). Cusack verweist an einer Stelle durch die Verwendung von Anführungszeichen auf den vorliegenden Euphemismus in „these ‘dissidents‘“ (Cusack 1999), vermeidet dabei allerdings trotzdem eine konkretere Bezugnahme und bedient sich des etablierten Begriffes an anderer Stelle in gewohnter Weise mit „dissident groups“ (Cusack 1999).

6.4.2 Agensbetonung und Agensaussparung

Auch die direkte Benennung von Terrorgruppen wird in der Presse häufig vermieden, da schon ihre fortwährende Existenz die Gesellschaft an ihre gewaltgeladene Vergangenheit erinnert. Sprechen Journalisten von erneuten Terroranschlägen, so bevorzugen sie Phrasen wie die folgende: „a renewed terrorist campaign on this island“ (Cusack 1999). Dabei werden die Anschläge ähnlich einer Wettererscheinung beschrieben, auf die die Menschheit keinen Einfluß hat. Statt dessen ließen sich die verantwortlichen Gruppen in den meisten Fällen exakt benennen.

6.4.3 Wortvermeidung und Vagheit

Anhand der unterschiedlich genauen Referenz auf bestimmte Gewaltakte läßt sich erkennen, daß insbesondere die problematischen und anhaltenden Terrorakte in der zentralen Krisenregion Nordirland tabuisiert werden. Im folgenden Zitat spricht der Autor direkt und sehr genau die Bombenattentate in London an, zieht aber im Falle Nordirlands mit dem Wort violence eine euphemistische Hypernymie vor: „The ceasefires and the Good Friday accord may have stopped the bombs in London, but on Northern Ireland's grim estates the violence continues.“ (Fletcher 1999b). Auch Tony Blair präferiert vage Formulierungen der anhaltenden Gewalt: „Divisions and bitterness persist in some quarters.“ (Blair 1999). Mit den beiden Leerformeln divisions und bitterness umgeht Blair exaktere Ausführungen der konfliktgeladenen Situation. Auch die Einschränkung in some quarters hält er bewußt vage, um nicht die ohnehin bekannten Konfliktherde erneut zu benennen.

Anhand der unterschiedlichen Vagheit einiger Formulierungen läßt sich außerdem erkennen, welche gesellschaftliche Gruppierung irische Journalisten ansprechen wollen. So bezieht sich ein Autor des nordirischen Belfast Telegraph hinsichtlich der begangenen Morde in direkter Weise auf die Taten der gegnerischen, republikanischen Seite: „around 563 of the 1,940 killings carried out by republicans from 1969 until the end of 1998.“ (Breen/McCartan 1999). Morde, die von der eigenen Gruppe zu verantworten wären, spricht der Autor im unmittelbaren Anschluß dagegen nur sehr vage an, um sein Publikum nicht mit der selbstverantworteten, unangenehmen Vergangenheit zu konfrontieren: „Loyalists are believed to have killed 888 people with nearly 50% of those murders resulting in charges.“ (Breen/McCartan 1999).

7 Schlußfolgerung

Zu Beginn der Arbeit wurde eingehend erläutert, auf welche Weise sich der Nordirlandkonflikt über Jahrhunderte hinweg bis in die heutige Zeit verfestigt hat und wie er immer wieder zu eskalieren droht. Aus einer scheinbar aussichtslosen Lage haben Politiker in den letzten Jahren dennoch einen wenn auch steinigen Weg zur Verständigung eingeschlagen. Mit der Last der negativen kollektiven Erinnerung an ihre gewalttätige und feindliche Vergangenheit muß sich die irische Gesellschaft jedoch weiterhin auseinandersetzen. Das dritte Kapitel hat daher verschiedene Formen der Vergangenheitsbewältigung erläutert. Überzeugende Argumente sprechen im Falle Nordirlands vorerst gegen eine direkte und offizielle Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Beide Seiten sind noch zu emotional in den Konflikt eingebunden, um mit der Vergangenheit verantwortungsbewußt umgehen zu können. Das ausgeglichene Machtgleichgewicht beider Seiten macht offene Schuldbekenntnisse außerdem unwahrscheinlich. Eine Phase des Überdenkens und der Neukonzipierung einer Identität erscheint daher als die angemessenste Vorgehensweise.

Mit dem Wissen um die sprachlichen Mittel zur Referenz auf Tabuthemen und um die Techniken der Critical Discourse Analysis ließ sich eine Printmedienanalyse durchführen, deren Ergebnis zeigt, daß die Grausamkeiten der Vergangenheit in der irischen Gesellschaft bereits in gewissem Maße einem Tabu unterliegen. Während die zukünftige Entwicklung eines der größten Themen innerhalb der Zeitungsberichte darstellt, werden Rückschritte im Friedensprozeß selten spezifiziert, sondern höchstens verhüllt angedeutet. Bezugnahmen auf Gewaltakte in der Vergangenheit finden nur selten statt und werden als Ereignisse nicht genauer erläutert. Während Journalisten Gewaltanwendungen in der Vergangenheit sowie in der Gegenwart meist mit subtileren Stilmitteln wie Agensauslassungen und verhüllenden Euphemismen erwähnen, verwenden sie im Bezug auf den voranschreitenden, positiven Friedensprozeß gewagtere Stilmittel wie bildhafte und lebendige Metaphern. Wenn der Friedensprozeß auch in einer negativen Vergangenheit angefangen hat und aus ihr herausführen soll, so stellt er im Vergleich zu den anderen Themenkomplexen dennoch das am geringsten mit der kollektiven Verantwortung belastete Feld dar. Angesichts des Verhältnisses zwischen der Sprache der Medien und den gesellschaftlichen Diskursen läßt sich schlußfolgern, daß die negative Vergangenheit bereits aus der kollektiven Erinnerung verdrängt wird. Damit bestätigt sich die anfangs aufgestellte These, daß Gesellschaften negative Aspekte ihrer Vergangenheit tabuisieren, um eine positive Identität wahren zu können, was selbst Tony Blair mir seiner Aussage bekräftigt: „History can be overcome“ (Blair 1999) – sie ist bereits tabu.
 

8 Quellenangaben

Allan, Keith und Kate Burridge (1991): Euphemism and Dysphemism. Language Used As Shield and Weapon. Oxford/New York: Oxford University Press.

Ash, Timothy Garton (1998): “The Truth About Dictatorship”. In: The New York Review of Books. Vol. 45, Nr. 3. (19. Feb. 1998). New York: NYREV: 35-40.

Ash, Timothy Garton (1997): “True Confessions”. In: The New York Review of Books. Vol. 44, Nr. 12. (17. Juli 1997). New York: NYREV: 33-38.

Bell, Alan (1991): The Language of News Media. Oxford: Blackwell.

Bloomfield, Kenneth (1998): “How Should We Remember? The Work of the Northern Ireland Victims Commission”. In: Hamber, Brandon (ed.): Past Imperfect: Dealing with the Past in Northern Ireland and Societies in Transition: http://www.incore.ulst.ac.uk/publications/research/dwtp/index.html (20.01.1999).

Cunningham, William C. (1998): “Theoretical Framework for conflict resolution”. In: Conflict Theory and the Conflict in Northern Ireland: http://cain.ulst.ac.uk/conflict/cunninngham.html (20.01.1999)(Link ungültig 30.01.2000).

Darby, John (1995): “Conflict in Northern Ireland: A Background Essay”. In: Dunn, Seamus (hrsg.): Facets of the Conflict. Basingstoke: Macmillan: http://cain.ulst.ac.uk/othelem/facets.html (20.01.1999) (Link ungültig 30.01.2000).

Dellinger, Brett (1995): “Critical Discourse Analysis”. In: Finnish Views of CNN Television News: http://users.utu.fi/bredelli/cda.html (09.01.1999).

Dijk, Teun van (1985): Discourse and Communication. New Apporaches to the Analysis of Mass Media Discourse and Communication. Berlin/NewYork: de Gruyter.

Frazer, Sir James George (1911): The Golden Bough. A Study in Magic and Religion. New York: Macmillan.

Günther, Ulla (1992): “und aso das isch gar need es Tabu bi üs, nei, überhaupt need”. Sprachliche Strategien bei Phone-in-Sendungen am Radio zu tabuisierten Themen. Frankfurt/Main: Lang.

Hamber, Brandon (ed.) (1998a): Past Imperfect: Dealing with the Past in Northern Ireland and Societies in Transition: http://www.incore.ulst.ac.uk/publications/research/dwtp/index.html (20.01.1999).

Hamber, Brandon (1998b): “A Truth Commission for Northern Ireland?” In: Past Imperfect: Dealing with the Past in Northern Ireland and Societies in Transition: http://www.incore.ulst.ac.uk/publications/research/dwtp/conclusion.pdf  (20.01.1999).

Independent Newspapers Ltd. (1998): Joint National Readership Research Results. Period: Calendar Year 1998: http://www.independent.ie/misc/jnrr.html (10.03.1999).

Koestin, Konrad (1977): "Taboo and Preference". In: Fenton, Alexander und Trefor M. Owen (hrsg.): Food in Perspective. Proceedings of the Third International Conference on Ethnological Food Research, Cardiff, Wales, 1977. Edinburgh: John Donald: 165-170.

Luchtenberg, Sigrid (1985): Euphemismen im heutigen Deutsch. Mit einem Beitrag zu Deutsch als Fremdsprache. Frankfurt/Main: Lang.

McCaughey, Terence (1993): Memory and Redemption: Church, Politics and Prophetic Theology in Ireland. Dublin: Gill & Macmillan.

Melaugh, Martin (1998): Irish Peace Process – Chronology of Key Events, 1993-1998: http://cain.ulst.ac.uk/events/peace/pp9398.html (20.01.1999) (Link ungültig 30.01.2000).

Newshound (1999): [ohne Titel: Linksammlung zu Zeitungsbeiträgen zum Nordirlandkonflikt]: http://www.nuzhound.com (25.01.1999)

Noble, Vernon (1982): Speak softly: Euphemisms and Such. Sheffield: Centre for English Cultural Tradition and Language.

Schröder, Hartmut (1998a): “Tabuforschung als Aufgabe interkultureller Germanistik. Ein Plädoyer”: http://www.euv-frankfurt-o.de/~sw2 (05.01.1999).

Schröder, Hartmut (1998b): “Tabus, interkulturelle Kommunikation und Fremdspachenunterricht – Überlegungen zur Relevanz der Tabuforschung für die Fremdsprachendidaktik”: http://www.euv-frankfurt-o.de/~sw2 (05.01.1999).

Süddeutsche Zeitung (1998): "Reichweite in der Bevölkerung ab 14 Jahren": http://www.sueddeutsche.de/anzeigen/zadafa/Leserdaten/reichweiten/bev_ab14.htm (10.03.1999) (Link ungültig 30.01.2000).

Statistisches Bundesamt Deutschland (1997): "Bevölkerung nach Altersgruppen, Familienstand und Religionszugehörigkeit": http://www.Statistik-bund.de/basis/d/bevoe02.htm (10.03.1999) (Link ungültig 30.01.2000).

The Irish Times Online Media Kit (1998): Printed Edition: Readership Nationally: http://www.irish-times.com/mediainfo/printedition/demographics/national.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Zöllner, Nicole (1997): Der Euphemismus im alltäglichen und politischen Sprachgebrauch des Englischen. Frankfurt/Main: Lang.

9 Quellen des analysierten Textkorpus

Anderson, Chris (1999): “Drumcree stalemate on way to solution – Trimble”. In: The Irish Independent. 09.01.1999: http://www.independent.ie/1999/8/d12c.shtml.

Anderson, Martin (1999a): “Controversial career of a Tory MP and outspoken unionist”. In: Irish News. 20.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/200199/politics5.html.

Anderson, Martin (1999b): “Talks to hit crisis – Ahern”. In: Irish News. 21.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/210199/politics5.html.

Anonym (1999a): “Blair to meet Garvaghy group on standoff”. In: The Irish Times. 11.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0111/north3.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Anonym (1999b): “Bogside’s Garvaghy solidarity calender”. In: Irish News. 21.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/210199/politics12.html.

Anonym (1999c): “DUP calls for halt to early releases”. In: Irish News. 20.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/200199/politics7.html.

Anonym (1999d): “Hunter’s plan not helpful”. In: Irish News. 20.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/200199/nview2.html.

Anonym (1999e): “MP taking advice on naming terrorists”. In: The Sunday Tribune. 20.01.1999: http://news.bbc.co.uk/hi/english/events/northern_ireland/latest_news/newsid_258000/258221.stm.

Anonym (1999f): “Naming names: Criminal justice: The law must take its course”. In: The Belfast Telegraph. 20.01.1999: http://www.belfasttelegraph.co.uk/today/jan20/Opinion/apt.ncml. (Link ungültig, 16.03.1999).

Anonym (1999g): “Orange move disappointing”. In: Irish News. 19.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/190199/nview2.html.

Anonym (1999h): “PUP criticises ‘hardline’ UUP”. In: Irish News. 11.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/110199/politics4.html.

Anonym (1999i): “Stymie the extremists”. In: Irish News. 21.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/210199/nview2.html.

Arthur, Paul (1999): “Desire on ground for pact to succeed”. In: The Irish Times. 18.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0118/opt2.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Blair, Tony (1999): “Peace is within our grasp”. In: Irish News. 11.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/110199/topstory.html.

Breadun, Deaglan de (1999a): “Trimble cracks the whip and his party toes the line”. In: The Irish Times. 20.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0120/opt1.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Breadun, Deaglan de (1999b): “Trimble buys time over vote on institutions”. In: The Irish Times. 18.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0118/north4.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Breadun, Deaglan de (1999c): “Ervine predicts further attacks by loyalist groups”. In: The Irish Times. 21.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0121/north6.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Breen, Martin und Desmond McCartan (1999): “Name and shame, say families”. In: The Belfast Telegraph. 19.01.1999: http://www.belfasttelegraph.co.uk/today/jan19/News/afront.ncml (Link ungültig 30.01.2000).

Breen, Suzanne (1999): “UUP calls for civic pressure on arms issue”. In: The Irish Times. 21.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0121/north3.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Clarity, James F. (1999): “Sinn Féin negotiator predicts success of peace talks for Ulster”. In: The New York Times. 18.01.1999: http://www.nytimes.com/library/world/europe/011899nireland-talks.html.

Clarke, Liam (1999a): “IRA keeps its powder dry for ‘nudge factor’”. In: The Sunday Times. 17.01.1999: http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/99/01/17/stiireopn01002.html (Link ungültig 30.01.2000).

Clarke, Liam (1999b): “RUC killer urges truth commission”. In: The Sunday Times. 17.01.1999 http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/99/01/17/stiireire03007.html. (Link ungültig 30.01.2000).

Clarke, Liam und Phelim McAleer (1999): “Fight to save RUC heads for America”. In: The Sunday Times. 10.01.1999: http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/99/01/10/stiireire01003.html (Link ungültig 30.01.2000).

Cusack, Jim (1999): “Raid dispels hope that Omagh ended dissidents” In: The Irish Times. 09.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0109/hom105.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Devine, John (1999): “Paisley caught out by North debate ‘ambush’”. In: The Irish Independent. 19.01.1999: http://www.independent.ie/1999/18/d04a.shtml.

Erwin, Alan (1999): “Informer fearss IRA prisoner release”. In: Irish News. 11.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/110199/nnews2.html.

Fletcher, Martin (1999a): “Trimble steps up attack on Adams”. In: The Times. 09.01.1999: http://www.the-times.co.uk/news/pages/tim/99/01/09/timnwsnws01022.html (Link ungültig 30.01.2000).

Fletcher, Martin (1999b): „Mother’s brave stand against IRA killers”. In: The Times. 11.01.1999: http://www.the-times.co.uk/news/pages/tim/99/01/11/timnwsnws02005.html (Link ungültig 30.01.2000).

Garland, Roy (1999): “Daring new initiatives can lift old roadblocks”. In: Irish News. 18.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/180199/nview1.html.

Griffin, Victor (1999) : “Children must learn together”. In: The Irish Times. 19.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0119/opt3.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Holland, Mary (1999): “New head of rights authority a wise choice”. In: The Irish Times. 21.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0121/opt3.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Kearney, Vincent und Chris Ryder (1999a): “Anger at £ 15m Drumcree ‘bribe’”. In: The Sunday Times. 10.01.1999: http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/99/01/10/stiireire01007.html (Link ungültig 30.01.2000).


Kearney, Vincent und Chris Ryder (1999b): “Mowlam bid to save Belfast agreement”. In: The Sunday Times. 10.01.1999: http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/99/01/10/stiireire01008.html (Link ungültig 30.01.2000).

Lagan, Bernard (1999): “Gerry Adams to make first visit next month”. In: The Sidney Morning Herald. 11.01.1999: http://www.smh.com.au/news/9901/11/national/national10.html.

MacCionnaith, Breandan (1999): “No break in Drumcree deadlock”. In: BBC news. 19.01.1999: http://news.bbc.co.uk/hi/english/events/northern_ireland/latest_news/newsid_257000/257268.stm.

McCann, Eamonn (1999): “How a military strategy might hold the key to decommissioning”. In: The Belfast Telegraph. 20.01.1999: http://www.belfasttelegraph.co.uk/today/jan20/Opinion/eamonn.ncml (Link ungültig 30.01.2000).

McKillion, Paul (1999): “Parties hail appointment of rights chief”. In: Irish News. 19.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/190199/politics3.html.

Moloney, Ed (1999a): “IRA extends cease-fire to 2002”. In: The Sunday Tribune. 18.01.1999: http://www.nuzhound.com/articles/mal12-17.htm.

Moloney, Ed (1999b): “IRA Statement belies a lack of options”. In: The Sunday Tribune. 10.01.1999: http://www.nuzhound.com/articles/MAL1-10.HTM.

Moloney, Ed (1999c): “Mowlam’s deadline renews pressure on Unionists, SF”. In: The Sunday Tribune. 17.01.1999: http://www.nuzhound.com/articles/MAL11-17.HTM.

Moriarty, Gerry (1999): “Unionist family has a row for the neighbours”. In: The Irish Times. 19.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0119/north2.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Murphy, Clare (1999): “SF claims Trimble is using tricks”. In: The Irish Times. 11.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0111/north2.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

Murray, Alan und Jenny McCartney (1999): “Trimble threatens walk-out over Sinn Féin”. In: The Telegraph. 17.01.1999:
http://www.telegraph.co.uk:80/et?ac=000132263537644&rtmo=
VukjkuPx&atmo=">99999999&P4_FOLLOW_ON=/99/1/17/ntrim17.html&pg=/et/99/1/17/ntrim17.html (Link ungültig 30.01.2000).

O’Hanlon, Ray (1999): “Tiocfaidh ar St Pat’s la may be Clinton’s prayer”: In: Irish News. 19.01.1999: http://www.irishnews.com/k_archive/190199/nview1.html.

O’Toole, Michael (1999): “Tensions are coming to the boil: Mallon”. In: Irish News. 09.01.1999: http://www.irishnews.com/archive/090199/politics4.html (Link ungültig 30.01.2000).

Shrimsley, Robert (1999): “Hague wants halt to releases after Ulster beatings”. In: The Telegraph. 21.01.1999: http://www.telegraph.co.uk:80/et?ac=000132263537644&rtmo=koCo7N3p&atmo=
(Link ungültig 30.01.2000).

Waters, John (1999): “Trimble is distorting what he signed up to”. In: The Irish Times. 19.01.1999: http://www.irish-times.com/irish-times/paper/1999/0119/opt1.html. (Link ungültig, 16.03.1999).

White, Barry (1999): „At the end of the day it’s really down to us”. In: The Belfast Telegraph. 09.01.1999: http://www.belfasttelegraph.co.uk/today/jan09/Opinion/en.ncml (Link ungültig 30.01.2000).